Märchen, Zitate, Geschichten & Gedichte





Wir sind alle Gottes Geschöpfe. Dass wir um Gottes Gnade und Gerechtigkeit beten, während wir weiterfahren, das Fleisch der Tiere zu essen, die um unseretwillen geschlachtet wurden, ist unvereinbar. Ich würde fortfahren, vegetarisch zu leben, selbst wenn die ganze Welt begänne, Fleisch zu essen. Dies ist mein Protest gegen den Zustand der Welt. Atomkraft, Hungersnöte, Grausamkeit - wir müssen Schritte dagegen unternehmen. Vegetarismus ist mein Schritt. Und ich glaube, es ist ein sehr wichtiger.

Isaac Bashevis Singer





Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut oder zulässt.





Die Grausamkeit gegen die Tiere und auch schon die Teilnahmslosigkeit gegenüber ihren Leiden ist meiner Ansicht nach eine der schwersten Sünden des Menschengeschlechts. Sie ist die Grundlage der menschlichen Verderbtheit. Wenn der Mensch so viel Leiden schafft, welches Recht hat er dann, sich zu beklagen, wenn auch er selber leidet?

Romain Rolland





Rein durch ihre physische Wirkung auf das menschliche Temperament würde die vegetarische Lebensweise das Schicksal der Menschheit äusserst positiv beeinflussen können.

Albert Einstein





Ich glaube, daß spiritueller Fortschritt an einem gewissen Punkt von uns verlangt, daß wir aufhören, unsere Mitlebewesen zur Befriedigung unserer körperlichen Verlangen zu töten.

Mahatma Gandhi





Ich habe es nie über mich gewinnen können, ein Lebenslicht auszulöschen, das aufs neue anzuzünden mir die Macht fehlt.

Sven Hedin





Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur die Menschenfresserei, sondern jeder Fleischgenuß als Kannibalismus gilt.

Wilhelm Busch





Eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort "Tierschutz" überhaupt geschaffen werden musste.

Theodor Heuss





Der Mensch ist nicht das Mass aller Dinge, sondern Leben inmitten von Leben, das auch leben will!

Albert Schweitzer





Ganze Weltalter von Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten.

Christian Morgenstern





Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.

Mahatma Gandhi





Alle antike Philosophie war auf Simplizität des Lebens gerichtet und lehrte eine gewisse Bedürfnislosigkeit. In diesem Betracht haben die wenigen philosophischen Vegetarier mehr für die Menschen geleistet als alle neuen Philosophen, und solange die Philosophen nicht den Mut gewinnen, eine ganz veränderte Lebensweise zu suchen und durch ihr Beispiel aufzuzeigen, ist es nichts mit ihnen. Wenn der Mensch ernstlich und aufrichtig den moralischen Weg sucht, so ist das erste, wovon er sich abwenden muß, die Fleischnahrung. Vegetarismus gilt als Kriterium, an welchem wir erkennen können, ob das Streben des Menschen nach moralischer Vollkommenheit echt und ernstgemeint ist.

Friedrich Nietzsche





Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes.

Alexander von Humboldt





Wahrlich ist der Mensch der König aller Tiere, denn seine Grausamkeit übertrifft die ihrige. Wir leben vom Tode anderer. Wir sind wandelnde Grabstätten! Ich habe schon in jüngsten Jahren dem Essen von Fleisch abgeschworen, und die Zeit wird kommen, da die Menschen wie ich die Tiermörder mit gleichen Augen betrachten werden wie jetzt die Menschenmörder.

Leonardo da Vinci





Könnt ihr wirklich die Frage stellen, aus welchem Grunde sich Pythagoras des Fleischessens enthielt? Ich für meinen Teil frage mich, unter welchen Umständen und in welchem Geisteszustand es ein Mensch das erste Mal über sich brachte, mit seinem Mund Blut zu berühren, seine Lippen zum Fleisch eines Kadavers zu führen und seinen Tisch mit toten, verwesenden Körpern zu zieren, und es sich dann erlaubt hat, die Teile, die kurz zuvor noch gebrüllt und geschrien, sich bewegt und gelebt haben, Nahrung zu nennen. ... Um des Fleisches willen rauben wir ihnen die Sonne, das Licht und die Lebensdauer, die ihnen von Geburt an zustehen.

Plutarch





Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.

Leo Tolstoi





Liebet die Tiere! Ihnen gab Gott ein Ahnen des Gedankens und eine harmlose ungetrübte Freude. Die Trübet Ihnen nicht, quält Sie nicht und nehmt Ihnen nicht die Lust am Dasein, -stellt euch nicht gegen Gottes Gedanken!
Mensch überhebe dich nicht über die Tiere: Sie sind ja Sündlos, du aber in all deiner Herrlichkeit, bringst die Erde zum Eitern , durch dein Erscheinen auf Ihr,- Oh Weh , fast ein Jeder von uns!


Fjodor Michailowitsch Dostojewski





Je früher unsere Jugend von sich aus jede Rohheit gegen Tiere als verwerflich anzusehen lernt, je mehr sie darauf achtet, dass aus Spiel und Umgang mit Tieren nicht Quälerei wird, desto klarer wird auch später ihr Unterscheidungsvermögen werden, was in der Welt der Großen Recht und Unrecht ist.

Theodor Heuss





Solange der Mensch denkt, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.





Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht.

George Bernard Shaw





Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.

Albert Einstein





Wer Tiere quält, ist unbeseelt und Gottes guter Geist ihm fehlt, mag noch so vornehm drein er schaun, man sollte niemals ihm vertraun.

Johann Wolfgang von Goethe





Wer die Menschen kennenlernt, liebt die Tiere.

Chinesische Weisheit





Das Testament einer Ratte

Während die Menschen sich die Köpfe über ihr Testament zerbrechen, haben Ratten die Lösung längst gefunden:

Bevor Menschen sterben, machen sie ein Testament, um ihr Heim und alles, was sie haben denen zu hinterlassen, die sie lieben. Ich würde auch ein Testament machen, wenn ich schreiben könnte.

Einem armen, sehnsuchtsvollen, einsamen Notfellchen würde ich mein glückliches Zuhause hinterlassen, meinen Napf, mein kuschliges Bettchen, mein Spielzeug und die so geliebte Schulter, die sanft streichelnde Hand, die liebevolle Stimme, den Platz, den ich in jemandes Herzen hatte, die Liebe, die mir zu guter Letzt zu einem friedlichen und schmerzfreien Ende verhelfen wird, gehalten in der liebenden Hand.

Wenn ich einmal sterbe, dann sag bitte nicht: "Nie wieder werde ich ein Tier haben, der Verlust tut viel zu weh!" Such dir eine einsame, ungeliebte Ratte aus und gib ihr meinen Platz. Das ist mein Erbe. Die Liebe, die ich zurück lasse, ist alles, was ich geben kann.





Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten.

Christian Morgenstern





Der Rattenfänger von Hameln

„Rattenfänger heisst der Mann,
der herrlich Flöte spielen kann.
Tausend Ratten oder mehr,
die lockt er spielend zu sich her.
Sie folgen ihm voll Unverstand
Direkt bis an den Weserstrand.

Er trällert einen Pfiff zum Schluss,
so kam es dann, wie’s kommen muss,
denn Leichtsinn, der tut selten gut,
sie gingen unter in der Flut.

Nur ein stocktauber Rattenmann,
der ja die Flöt nicht hören kann,
der hielt an einem Zweig sich fest
und trug die Mär zu seinem Nest.

Dort säugt sein Frauchen ihre Kleinen
Und konnte deshalb nicht erscheinen.
Die Rättin rief voll Energie
Wir brauchen eine Strategie !

Wir Ratten sind doch wohl nicht dumm,
den Spiess, den dreh’n wir einfach um.
Den Menschen geben wir den Rest,
wir krall’n uns in den Herzen fest !

Und so geschah es mit den Jahren,
wir alle haben dies erfahren.
Denn unser Wohnung bester Platz,
ist reserviert für einen Ratz.

Autor & Copyright: Dieter Martin






Die Ratte

Ich bin nur ein kleines Wesen in der Welt vieler Grossen.
Gutes hat man über mich selten gelesen mich immer wieder verstossen.

In ihrer Unwissenheit haben die Menschen mich angelockt
durch Abfall achtlos weggeschmissen in die Natur.
Für uns das grosse Fressen pur und hassen uns nun hierfür.

Aber alles hat mal ein gutes Ende viele Menschen öffnen uns ihre Hände
und seht nur was halten sie dort
"ein Rättchen - zart und behende"
sie kosen und lieben es immerfort

So hat dieser Hass einen Sinn bekommen hat vielen Menschen den Ekel genommen
wir sind nicht viel anders als Hund oder Katzen

"nur nennt man uns eben Ratzen".





Die Computerratte

Ein Mann der schafft von früh bis spät,
damit´s der Firma besser geht
am Bildschirm hängt gebannt sein Blick,
die Konkurenz sitzt im Genick
er prügelt fast die Tastatur -
wo bleibt denn unser Umsatz nur????
das Komma sitzt doch zu weit links,
wenn´s weiter recht´s ständ -
ja dann ging´s

er führt die Maus mit starrem Blick,
es tut sich nicht´s - trotz Doppelklick
dies kann auch fast nicht anders sein,
denn eine Maus ist vieeeeeeeeeeeeeeel zu klein!!!!!

wer den Erfolg schon vor ihm hatte,
verdankt ihn nämlich seiner

R  A  T  T  E

ich bin ganz sicher ohne Frage
verkünd`es beinah alle tage

Computer könnten besser sein,
setzt Frau statt Mäusen
Ratten ein.

Autor & Copyright: "Jocelyn" - Rattenclub-Forum






Quelle: Buch: Ihr Hobby Ratten von Dr. Stephan Dreyer





Liebe kleine Ratte
schwedisches Volksmärchen

Es lebte einmal ein König, der hatte drei Söhne.
Der Älteste war dick und gierig und so böse, dass er mit seinem Stock den Blumen die Köpfe abschlug. Der zweite Sohn war lang und dünn wie eine Bohnenstange; auch er gönnte keinem etwas Gutes außer sich selbst. Der Jüngste aber, der war freundlich zu jedermann, und ebenso zu Pflanzen und Tieren. Darum nannten ihn seine Brüder den „Dummling“.
Einmal rief der König alle drei zu sich: „Liebe Söhne! Ihr seid nun erwachsen und es wird Zeit für euch zu heiraten. Darum geht in die Welt hinaus und sucht euch eine Braut. Und zum Zeichen, dass eure Braut gut weben kann, bringt mir ein Tischtuch, das sie selber gewebt hat.“
Die drei Brüder ritten zusammen fort. Am Abend gelangten sie in einem tiefen Wald. Da fielen die beiden älteren Brüder über den Jüngsten her. Sie nahmen ihm alles weg – das Pferd, die Kleider und das Geld – und ritten weiter. Da war der Jüngste ganz allein in dem dunklen Wald. Was sollte er nun tun? Wo konnte er hin? Auf einmal raschelt es neben ihm im Gebüsch, und – rische, rusche – huscht eine kleine graue Ratte hervor und schaut den Königssohn an.
„Warum bist du traurig, lieber Prinz? Komm mit mir in meine Höhle! Willst du essen, so iss, willst du trinken, so trink, willst du sitzen, so sitz, willst du schlafen, so schlaf.“
Da folgt der Königssohn der kleinen Ratte in ihre Höhle und bleibt bei ihr. Die Rattte ist lieb und gut zu ihm, sie gibt ihm zu essen und zu trinken, einen Stuhl zum Sitzen und ein Bett zum Schlafen. Am nächsten Tag spricht sie zu ihm: „Lieber Prinz, nun höre wohl, was ich dir sage, und merke es dir gut: Jeden Morgen sollst du von dem Haselstrauch vor meiner Höhle ein Zweiglein abschneiden, jeden Tag ein Zweiglein, aber niemals mehr als ein einziges. Und alle Zweiglein sollst du zusammenlegen.“
Der Königssohn verspricht es und tut, was die Ratte gesagt hat. Jeden Morgen schneidet er ein Zweiglein ab von dem Haselstrauch vor der Höhle und legt es zu den anderen. So vergeht ein Jahr. Es wird Zeit für den Königssohn, zum Vater heimzukehren. „Liebe kleine Ratte, der Vater schickte mich in die Welt hinaus, mir eine Braut zu suchen. Nun bin ich schon ein Jahr bei dir und du warst immer gut zu mir. Willst du meine liebe Braut sein?“ Da freut sich die Ratte. „Ja, gern! Von ganzem Herzen gern will ich deine Braut sein.“ „ Dann musst du mir ein Tischtuch geben, das du selber gewebt hast. Ich soll es dem Vater bringen.“ Die Ratte huscht fort, und gleich darauf ist sie wieder da und gibt dem Königssohn ein fein gefaltetes Tuch. Als der Königssohn nach Hause kommt, sind die Brüder schon da.
Der Älteste hat ein Tuch mitgebracht, das ist ganz voller Knoten. Seine Braut war ungeduldig und immer wieder war ihr der Faden gerissen. Die Braut des zweiten Bruders war ein Schmutzfink. Sein Tischtuch sieht aus wie ein Topflappen, den man ein halbes Jahr nicht gewaschen hat. Nun breitet der Jüngste sein Tuch aus: Es schimmert weißer als Schnee, und Bäume, Blumen und Tiere sind kunstvoll hineingewebt. Ein prächtigeres Tischtuch gibt es nicht in drei Königreichen!
Nach einiger Zeit schickte der alte König seine Söhne wieder aus. „Und wenn ihr diesmal wieder heimkommt, bringt einen Kuchen mit, den eure Braut selber gebacken hat.“ Die drei Brüder ritten fort. Sie nahmen den gleichen Weg, und in dem dunklen Wald nahmen die Ältern dem Jüngsten wieder alles fort und ließen ihn allein. Doch – rische, rusche – da ist die kleine graue Ratte wieder da. Sie hat schon auf den Königssohn gewartet. „Warum bist du traurig, lieber Prinz? Komm mit mir in meine Höhle! Willst du essen, so iss, willst du trinken, so trink, willst du sitzen, so sitz, willst du schlafen, so schlaf.“
Der Königssohn folgt ihr und gerne bleibt er bei ihr, der kleinen Ratte. Am nächsten Tag gibt sie ihm ein Bündel roter Fäden. „Mein lieber Prinz, nun höre wohl, was ich dir sage, und merke es dir gut: Jeden Morgen sollst du einen roten Faden nehmen und ihn um eines der Zweiglein binden, die du abgeschnitten hast. Jeden Tag, aber niemals mehr als einen einzigen Faden um einen einzigen Zweig. Und alle gebundenen Zweiglein sollst du zusammenlegen.“
Sorgfältig verrichtet der Prinz jeden Morgen seine Arbeit, und die Ratte ist immer gleich freundlich zu ihm. So vergeht wiederum ein Jahr. „Liebe kleine Ratte, ich muss nun wieder heim zum Vater. Bist du noch meine liebe Braut?“ „Von Herzen gern will ich deine Braut sein!“ „Dann gib mir einen Kuchen, den du selber gebacken hast. Den muss ich dem Vater bringen.“ Die kleine Ratte huscht in ihre Küche und holt einen Kuchen. Den schlägt sie in ein Tüchlein ein und gibt ihn dem Königssohn.
Als der Königssohn im väterlichen Schloss ankommt, ist er wieder der letzte. Die beiden Brüder sind schon da.
Der Älteste hat einen Kuchen mitgebracht, der war schwarz wie Kohle. Seine Braut hatte ihn verbrennen lassen. Der Kuchen des zweiten Sohnes war steinhart – seine Braut hatte die Hefe vergessen – und der alte König hat sich seinen letzten Zahn daran abgebrochen. Nun packt der Jüngste seinen Kuchen aus, und das ganze Zimmer duftet nach Butter und Zimt! Schnell ist der Kuchen aufgegessen, denn so etwas Gutes hatte noch niemand bekommen.
Nach kurzer Zeit schon versammelte der alte König wiederum seine drei Söhne: „Nun sollt ihr ausziehen und jeder soll seine Braut heimholen. Dann wollen wir fröhliche Hochzeit feiern.“ Und wieder ritten die drei Brüder zusammen fort, und im dunklen Wald nahmen die beiden Älteren dem Jüngsten alles weg und ritten davon. Doch – rische, rusche – schon läuft die kleine graue Ratte herbei. „Warum bist du traurig, lieber Prinz? Komm mit mir in meine Höhle! Willst du essen, so iss, willst du trinken, so trink, willst du sitzen, so sitz, willst du schlafen, so schlaf.“
Und der Königssohn geht mir ihr.
Doch diesmal gibt die Ratte ihm keine Arbeit, sie ist nur noch liebevoller und freundlicher zu ihm.
Der Königssohn aber wird immer trauriger. „Was ist mit dir, lieber Prinz? Warum bist du gar nicht mehr fröhlich?“ „Ach, diesmal sollen wir unsere Braut heimholen, und meine Brüder haben richtige Menschenfrauen als Braut, aber du, – du bist doch nur eine kleine graue Ratte.“ Da lässt die kleine Ratte den Kopf hängen. „Ich war gut zu dir, als du allein warst.“ Dem Königssohn tun seine Worte schon bitter leid. „Verzeih mir, liebe kleine Ratte, du bist ja meine liebe Braut! Dich nehme ich mit zu meinem Vater! Sollen meine Brüder doch lachen, du bist meine Braut.“ „Dann musst du erst noch etwas für mich tun: Nimm die Zweige mit den roten Bändern, die du geschnitten und gebunden hast, lege sie zusammen zu einem Scheiterhaufen und zünde ihn an. Und wenn du in dem Feuer etwas siehst, dann rette es ohne Furcht.“ Der Königssohn tut, was die Ratte gesagt hat. Er schichtet die Zweige zu einem großen Scheiterhaufen zusammen. Den zündet er an. Als die Flammen hoch auflodern, sieht er plötzlich mitten im Feuer ein Mädchen. Furchtlos springt er hinzu und reißt sie aus den Flammen heraus. Er hält das Mädchen in seinen Armen und das Feuer fällt in sich zusammen.
Oh, wie schön sie ist! Etwas Schöneres hat er noch nie gesehen! Sie lächelt ihn an: „Ich war die kleine graue Ratte. Eine Trollalte hatte mich verzaubert, und ich konnte nur erlöst werden, wenn jemand mich in der Rattengestalt lieb gewann und sein Leben für mich wagte.“ Wie glücklich und dankbar war da der Königssohn! Er küsste seine Rattenprinzessin, und dann fuhren sie nach Hause.
Die beiden Brüder waren schon da mit ihren Bräuten. Doch, oh weh! Wie sahen die aus!
Die Braut des Ältesten war doppelt so dick wie er selbst, und – knack und plumps – hatte sie bald alle Stühle und Sessel im Schloss zerbrochen. Der zweite Bruder hatte sich eine ausgesucht, die war auch so dünn wie eine Bohnenstange wie er und so lang, dass sie grüne und blaue Flecken auf der Stirn hatte, weil sie immer an den Türrahmen stieß. Der jüngste Königssohn aber blieb mit seiner Braut nicht lange im Schloss. Er hob seinen alten Vater in die Kutsche und nahm ihn mit auf die Burg seiner Rattenprinzessin.
Dort feierten sie die fröhlichste Hochzeit, die man sich denken kann. Und alle Leute im ganzen Land freuten sich und feierten mit. Dann lebten und regierten sie viele Jahre in Glück und Frieden.





Rattenkönig

Als Rattenkönig werden mehrere an den Schwänzen verknotete oder verklebte Ratten bezeichnet. Dieses seltene Phänomen tritt vor allem unter Hausratten auf. Als Ursache für die Entstehung geben manche Quellen an, dass sich die Schwänze einer ganzen Anzahl von Tieren verknoten und die Tiere anschließend durch Blut, Schmutz und Exkremente zusätzlich an Beinen und Flanken verkleben. In der Folge sollen die Tiere untrennbar an den Schwänzen verwachsen, die vielfach gebrochen sind. Allerdings wird diese Spekulation von der Fundlage nicht gestützt. Ohne Verknotung lebend zusammen klebende Ratten und zusammen gewachsene Ratten sind nicht dokumentiert. Fast alle Funde sind nur an den Schwänzen verknotet. Die einzige Ausnahme, der Rattenkönig von Altenburg (unten) klebt durch Mumifizierung zusammen.

Die Ursache für die Verwachsung soll in zu engen Bauten liegen, in denen vor allem Jungtiere zu eng beieinander liegen und so die Verklebung und gegenseitige Verletzung stattfinden konnte. Viele Rattenkönige sollen lebendig gefunden worden sein. Diese Entstehungsgeschichte der Rattenkönige steht jedoch unter anderem im Widerspruch zum bekannt ausgeprägten Komfortverhalten von Ratten. Wissenschaftliche Untersuchungen, welche die natürliche Entstehung der Funde zweifelsfrei nachweisen, gibt es nicht. Die natürliche Entstehung von Rattenkönigen nach dem oben genannten Schema wird daher häufig bezweifelt, viele einschlägige Quellen halten ein natürliches Vorkommen für nicht gesichert oder behandeln das Thema nicht. Als Ursachen sind auch postmortale Verklebung oder Mumifizierungen und Manipulation (etwa Zusammenbinden der Schwänze getöteter Ratten) denkbar. Nach Meinung englischer und französischer Quellen handelt es sich beim Rattenkönig um einen alten Mythos des deutschen Sprachraums, teilweise auch des niederländischen und dänischen, der aus zufälligen Funden von im Spiel an den Schwänzen verknoteten Ratten entstanden ist. Die meisten Funde werden dort als Manipulation und Mumifizierung skeptisch betrachtet. Außerhalb Mitteleuropas, Frankreichs, des Baltikums, Dänemarks und eines Fundes auf Java wurden nirgendwo Rattenkönige thematisiert und Funde ausgestellt.
Der früheste Bericht über Rattenkönige stammt von 1564, im 18. Jahrhundert ebbte das Phänomen ab. Die Seltenheit der Funde seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wird auf den Wandel der hygienischen Umstände zurückgeführt, zum Teil auch auf die Verdrängung der Haus- durch die robustere Wanderratte. Die jüngsten Funde datieren vom 10. April 1986 (Maché in Frankreich) und vom 16. Januar 2005 aus dem estnischen Gebiet Võrumaa.
Bei ihrer Entdeckung wurden Rattenkönige stets aus Furcht und Aberglauben schnell getötet. Dennoch kam es gelegentlich zu Funden von abgestorbenen und in der Folge mumifizierten Rattenkönigen. Das naturkundliche Museum „Mauritianum“ in Altenburg (Thüringen) zeigt den größten bekannten mumifizierten „Rattenkönig“, der 1828 im Kamin eines Müllers in Buchheim gefunden wurde. Er besteht aus 32 Ratten. Alkoholpräparate von Rattenkönigen sind in Museen in Hamburg, Hameln, Göttingen und Stuttgart zu sehen. Insgesamt ist die Anzahl der bekannten Funde von Rattenkönigen gering. Je nach Quelle schwankt sie zwischen 35 und 50 Funden.
Der „Rattenkönig“ wird vor allem für die Hausratte (Rattus rattus) beschrieben. Lediglich bei einem Fund vom 23. März 1918 in Bogor auf Java handelte es sich um einen Rattenkönig aus zehn jungen Feldratten (Rattus brevicaudatus). Ähnliche Phänomene werden jedoch gelegentlich auch bei anderen Arten beschrieben, so wurde im April 1929 eine Gruppe junger Waldmäuse (Apodemus sylvaticus) in Holstein entdeckt. Berichte, wonach das Zoologische Institut der Universität Hamburg über ein Präparat eines Eichhörnchenkönigs verfügen soll, sind jedoch falsch. Nicht zu verwechseln ist der Rattenkönig mit „siamesischen“ Geburten, die bei vielen Arten auftreten (so existieren z. B. diverse Präparate von „Katzenkönigen“). Beim Rattenkönig sollen die Tiere erst nach der Geburt zusammenwachsen, sie sind keine unvollständig getrennten Mehrlingsgeburten.
Ein Fund, der laut dem Kryptozoologen Michael Schneider 1963 von dem Landwirt P. van Nijnatten in Rucphen (Holland) gemacht wurde, bestand aus sieben Tieren. Röntgenaufnahmen zeigen, dass an den Bruchstellen der Schwänze eine Kallusbildung vorliegt, welche beweist, dass diese Tiere in diesem Zustand einige Zeit gelebt haben sowie vielleicht von anderen Ratten versorgt wurden. Auch das Vorhandensein erwachsener Tiere bei Rattenkönigen könnte für eine Versorgung durch Artgenossen sprechen.





Wie die Beutelratte den Nachstellungen des Jaguars entging
Ein Märchen aus Brasilien

Der Jaguar war anscheinend ein Feinschmecker, der Beutelratten als ganz besonderen Leckerbissen schätzte. Jedenfalls gab er sich grosse Mühe, eine zu erwischen. Zuerst säuberte er den Weg, den die Beutelratte benutzte, sogfältig von Dornen und legte eine Falle aus. Aber die Beutelratte blieb auf der Hut und bat den Jaguar höflich voranzugehen. Dabei stiess er an die Falle - die Beutelratte war gewarnt und lief davon.
Im heissen Sommer lauerte der Jaguar der Beutelratte am Fluss auf. Geduldig wartete sie, bis eine Frau mit einem Topf voll Honig vorbeiging. Dreimal legte sie sich, mausetot, wie es schien, der Frau in den Weg. Beim dritten Mal stutze diese und dachte:" Hätte ich die beiden anderen mitgenommen, so hätte ich jetzt schon drei." Sie stellte den Honigtopf ab und ging zurück, um die beiden anderen zu holen. Die Beutelratte wälzte sich erst im Honig, dann in grünen Blättern und eilte zum Fluss, um endlich ihren Durst zu stillen. Der Jaguar erkannte sie erst, als sie wieder aus dem Wasser kam, das die Blätter abgespült hatte. Aber er konnte sie nicht mehr erwischen. Beim nächsten Mal machte die Beutelratte ein Loch in den Stamm eines Gummibaums, rieb sich mit dem Saft ein und wälzte sich im trockenen Laub. Misstrauisch musterte der Jaguar das seltsame Geschöpf:" Wer bist Du?" - "Ich bin das Trockene-Blätter-Tier", antwortete die Beutelratte, und der Jaguar glaubte ihr, denn diesmal blieben die Blätter haften.
Als der Jaguar merkte, dass er die kluge Beutelratte nicht fangen konnte, stellte er sich tot. Alle Tiere zogen zu seiner Höhle und jubelten. Auch die Beutelratte kam, hielt sich aber weit im Hintergrund. "Hat er schon geniest?" fragte sie. "Nein", erwiderten die anderen Tiere, "noch nicht." - "Mein Grossvater hat dreimal geniest", erklärte die Beutelratte, "als er gestorben war." Sofort nieste der angeblich Tote, genau dreimal. Die Beutelratte aber lachte, bis ihr die Tränen kamen. "Habt ihr schon jemals einen Toten niesen gehört?" fragte sie. Und bis heute ist es dem Jaguar nicht gelungen, sie zu ewischen. Denn die Beutelratte ist viel zu schlau für ihn.





Der Rattenfänger
Ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe

Ich bin der wohlbekannte Sänger,
der vielgereiste Rattenfänger,
Den diese altberühmte Stadt
Gewiss besonders nötig hat.
Und wären's Ratten noch so viele,
Und wären Wiesel mit ihm Spiele:
Von allen säubr' ich diesen Ort,
Sie müssen miteinander fort.

Dann ist der gutgelaunte Sänger
Mitunter auch ein Kinderfänger,
Der selbst die wildesten bezwingt,
Wen er die goldnen Märchen singt.
Und wären Knaben noch so trutzig,
Und wären Mädchen noch so stutzig:
In meine Saiten greif ich ein,
Sie müssen alle hinterdrein.

Dann ist der vielgewandte Sänger
Gelegentlich ein Mädchenfänger,
In keinem Städtchen langt er an,
Wo er's nicht mancher angetan.
Und wären Mädchen noch so blöde,
Und wären Weiber noch so spröde:
Doch allen wird so liebebang
Bei Zaubersaiten und Gesang.





Die Regenbogenbrücke

Eine Brücke verbindet den Himmel und die Erde. Wegen der vielen Farben nennt man sie die Brücke des Regenbogens. Auf dieser Seite der Brücke liegt ein Land mit Wiesen, Hügeln und saftigem grünen Gras.

Wenn ein geliebtes Tier auf der Erde für immer eingeschlafen ist, geht es zu diesem wunderschönen Ort. Dort gibt es immer zu fressen und zu trinken, und es ist warmes schönes Frühlingswetter. Die alten und kranken Tiere sind wieder jung und gesund. Sie spielen den ganzen Tag zusammen.
Es gibt nur eine Sache, die sie vermissen. Sie sind nicht mit ihren Menschen zusammen, die sie auf der Erde so geliebt haben. So rennen und spielen sie jeden Tag zusammen, bis eines Tages plötzlich eines von ihnen innehält und aufsieht.

Die Nase bebt, die Ohren stellen sich auf, und die Augen werden ganz gross! Plötzlich rennt es aus der Gruppe heraus und fliegt über das grüne Gras, die Füsse tragen es schneller und schneller.

Es hat Dich gesehen.

Und wenn Du und Dein besonderer Freund sich treffen, nimmst Du ihn in deine Arme und hältst ihn fest. Dein Gesicht wird geküsst, wieder und wieder, und Du schaust endlich wieder in die Augen Deines geliebten Tieres, das so lange aus deinem Leben verschwunden war, aber nie aus deinem Herzen.

Dann überschreitet Ihr gemeinsam die Brücke des Regenbogens, und Ihr werdet nie wieder getrennt sein...





Die Ratten
George Britting

Im Keller rührn die Ratten sich. Abends hörst
Dus: ihre kleinen Pfiffe erklingen sanft.
Das Volk muß sich von Asseln nähren,
Oder von Spinnen und bleichen Würmern!
Gern eilt es drum bei Nacht in das Nebenhaus.
Dort lebt noch unbeschädigtes Dasein, hängt
Die Wurst am Haken und im Hofe
Schimmelt verlockend der Tonnenabfall.
Die glatt gekämmte Katze des Hauswarts stört
Sie nicht - die scheut die ruppigen Gäste, scheut
Den Biss in grau verfilzte Nacken:
Lieber doch liegt sie im warmen Körbchen!
Im Schlaf nur singt sie Jägergesänge, riecht
Das Blut, und träumt den prächtigen Mord, derweil
Die Schüssel mit der Milch schon auf sie
Wartet, der süßen, mit Weissbrotbrocken!
Faul schnarcht die zahm gewordene Tigerin.
Den Mond, der gelb, mit tückischem Katzenblick
Am schwarzen Himmel steht, ihn fürchten
Nimmer die Ratten: er jagt die Sterne!





Die Wanderratten
Heinrich Heine

Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Sie wandern viel tausend Meilen,
Ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.

Sie klimmen wohl über die Höhen,
Sie schwimmen wohl durch die Seen;
Gar manche ersäuft oder bricht das Genick,
Die lebenden lassen die toten zurück.

Es haben diese Käuze
Gar fürchterliche Schnäuze;
Sie tragen die Köpfe geschoren egal,
Ganz radikal, ganz rattenkahl.

Die radikale Rotte
Weiß nichts von einem Gotte.
Sie lassen nicht taufen ihre Brut,
Die Weiber sind Gemeindegut.

Der sinnliche Rattenhaufen,
Er will nur fressen und saufen,
Er denkt nicht, während er säuft und frißt,
Daß unsre Seele unsterblich ist.

So eine wilde Ratze,
Die fürchtet nicht Hölle, nicht Katze;
Sie hat kein Gut, sie hat kein Geld
Und wünscht aufs neue zu teilen die Welt.

Die Wanderratten, o wehe!
Sie sind schon in der Nähe.
Sie rücken heran, ich höre schon
Ihr Pfeifen - die Zahl ist Legion.

O wehe! wir sind verloren,
Sie sind schon vor den Toren!
Der Bürgermeister und Senat,
Sie schütteln die Köpfe, und keiner weiß Rat.

Die Bürgerschaft greift zu den Waffen,
Die Glocken läuten die Pfaffen.
Gefährdet ist das Palladium
Des sittlichen Staats, das Eigentum.

Nicht Glockengeläute, nicht Pfaffengebete,
Nicht hochwohlweise Senatsdekrete,
Auch nicht Kanonen, viel Hundertpfünder,
Sie helfen Euch heute, Ihr lieben Kinder!

Heut helfen Euch nicht die Wortgespinste
Der abgelebten Redekünste.
Man fängt nicht Ratten mit Syllogismen,
Sie springen über die feinsten Sophismen.

Im hungrigen Magen Eingang finden
Nur Suppenlogik mit Knödelgründen,
Nur Argumente von Rinderbraten,
Begleitet mit Göttinger Wurst-Zitaten.

Ein schweigender Stockfisch, in Butter gesotten,
Behaget den radikalen Rotten
Viel besser als ein Mirabeau
Und alle Redner seit Cicero.





Nänie auf ein paar Nager
Yaak Karsunke

Selbst meine Freunde
verwenden ihren Namen als Schimpfwort,
Diese lausigen Ratten.

Die Unterwühler
die Fundamente-Zerfresser
die sich durchbeißen müssen.
Das subversive Gesindel,
das vernünftig von Bord geht,
bevor der Kahn absäuft.

Ach ihr lausigen Ratten...
Von der Pest auf die Straße geschickt,
auf zierlichen Pfoten,
um da als erste zu sterben,
mit Blut an der Schnauze
und Todesschweiß-nassem Fell.

Ich wünschte, ich könnte euch retten...
Vor Krankheit, vor Ködern
und vor dem falschen Vergleich.





Paramys

Paramys war die Stammmutter oder der Stammvater aller Nagetiere und lebte im Paleozän, vor 54 Millionen Jahren. Er besass bereits einen langen buschigen Schwanz und sein Körperbau glich schon dem des heutigen Eichhörnchens. Die Wissenschaft sagt, dass Paramys und die Primaten von den Insektenfressern abzuleiten seien, jenen frühen Säugetieren aus der jüngsten Kreidezeit. Das aber hiesse nichts anderes, als das Ratte und Mensch vor 70 Millionen Jahren überhaupt noch nicht getrennt waren! Vor 70 Millionen Jahren flitzten wir zwei noch als leibhaftige Geschwister um die Säulenbeine der letzten Dinosaurier!





Der Rattentempel von Deshnoke in der Provinz Rajasthan / Indien

Das Heiligtum wurde für die Gottheit Karni Mata errichtet, eine Inkarnation von Durga, die im 14. Jh. gelebt haben soll und zur Schutzgottheit der Rajputen aufstieg. 

Über die Verehrung der Ratten gibt es folgende Geschichte zu berichten: Zu der bereits zu Lebzeiten als Heilige geltenden karni soll ein Fürst einmal den verstorbenen Sohn mit der Bitte gebracht haben, ihn wieder zum Leben zu erwecken, da die Dynastie sonst aussterben würde. In Trance habe Karni den Totengott Yama aufgesucht und ihn um die Seele gebeten. Die Gottheit aber verweigert die Herausgabe mit der Begründung, der Junge sei bereits wiedergeboren und die Seele daher nicht mehr zurückzugewinnen. 

Die enttäuschte Karni schwor daraufhin, dass kein Mitglied ihres Stammes mehr das Reicht des Totengottes Yama betreten werde, sondern die Seelen der Verstorbenen statt dessen in Ratten wiedergeboren würden. Nach dem Tod der Tiere würden die Seelen dann die Körper von Barden annehmen und somit das Fortbestehen dieser in Rajasthan bis heute gleichermaßen beliebten wie verehrten fahrenden Sänger garantieren. Für die Rajputen, die auf eine Überlieferung ihrer Genealogie und der Heldentaten ihrer Vorfahren so großen Wert legten, war der Fortbestand der Barden von höchster Bedeutung, finden sie doch in deren Heldenliedern (Dingal) immer wieder die begehrte Selbstbestätigung. 

Das genaue Alter des Tempels ist unbekannt, aber bereits sehr früh wurde Karni Devi zur Schutzheiligen des Herrscherhauses, das denn auch beträchtliche Mittel für die Gestaltung des Baus zur Verfügung stellte. So ist der aus weisem Marmor gefertigte Zugang zum Tempel komplex mit fein gearbeiteten Figuren hinduistischer Gottheiten versehen, und die silberbeschlagenen Türen, die Maharaja Ganga Singh (1887-1943) stiftete, zeigen vollendete Handwerkskunst. Im Allerheiligsten steht eine aus Jaisalmersandstein geformte Figur von Karni Devi unter einem goldenem Baldachin.





Die Rättin
Günther Grass

Inhalt: Was fehlt, sagen wir, ist der Mangel.
Man weiss nicht mehr, was man schenken soll. Der Erzähler wünscht sich zu Weihnachten eine Ratte. Mit ihr zusammen hört er gern das dritte Radioprogramm an.

Er träumt von einem Dialog mit einer Rättin, die ihrerseits penetrant behauptet, er existiere nur in ihrem Traum.
Es heisst: Wir sind gar nicht mehr, werden scheintätig nur geträumt von einzig wirklichen Rattenvölkern ...

Mir träumte ein Mensch, sagte die Ratte, von der mir träumt. Ich sprach auf ihn ein, bis er glaubte, er träume mich und im Traum sagte: Die Ratte, von der ich träume, glaubt mich zu träumen; so lesen wir uns in Spiegeln und fragen einander aus. Könnte es sein, dass beide, die Ratte und ich geträumt werden und Traum dritter Gattung sind?

Allein in einem Raumschiff angeschnallt umkreist der Erzähler die verwüstete Erde. Die Rättin erzählt ihm vom "Grossen Knall", mit dem sich die Menschheit auslöschte. Er ist der einzige Überlebende. Es begann damit, dass sich die beiden Supermächte gegenseitig verdächtigten, einen Atomkrieg angefangen zu haben und darauf mit je einem Knopfdruck die Programme "Völkerfriede" und "Frieden machen" starteten. Als man im westlichen Computerzentrum Rattenköttel entdeckte, rief man sofort im östlichen Computerzentrum an, und auch dort wurde Rattenlosung gefunden. Da befürchteten die beiden Schutz- und Friedensmächte, Opfer einer teuflischen dritten Macht bzw. eines internationalen Komplotts geworden zu sein. Haben fanatische Zionisten besonders intelligente Ratten gezüchtet und damit die Computerzentralen manipuliert? Obwohl die Regierungschefs der beiden Supermächte über das intakt gebliebene Krisentelefon miteinander sprachen, konnten sie nicht eingreifen, denn die Entwicklung folgte unaufhaltsam den Computerprogrammen. Moskau, New York, Zürich, Bombay, Rio, Kapstadt und Hongkong wurden durch Atombomben ausradiert. Nur in einigen wenigen Städten mit besonderen Kulturdenkmälern – zum Beispiel Danzig, Kyoto und Florenz – explodierten keine gewöhnlichen Atomwaffen, sondern Neutronenbomben, damit zwar die Lebewesen entsaftet wurden, aber die Bauwerke – wenn auch entglast und russgeschwärzt – erhalten blieben. Außer diesen Fassaden blieb nur Müll übrig.
Selbst auf der Suche nach letzter Wahrheit und seinem Gott auf den Fersen, machte er [der Mensch] Müll. ... Einzig Müll hat ihn überdauert!
Die Ratten sahen die Katastrophe voraus. Um die Menschheit zu warnen, liefen sie mitten am Tag zu Tausenden durch die Hauptstrassen der Metropolen und verursachten gewaltige Verkehrsstaus. Aber die Menschen ignorierten die Zeichen.
Gegen Schluss der Humangeschichte hatte sich das Menschengeschlecht eine Sprache eingeübt, die beruhigend ausglich, schonungsvoll nichts beim Namen nannte und selbst dann noch vernünftig klang, wenn sie Blödsinn als Erkenntnis ausgab.

[Die Menschen] haben alles versaut. Mussten sich immer kopfoben was ausdenken. Hatten, selbst wenn Überfluss sie ersticken wollte, nicht genug, nie genug.
Einige junge Menschen beschlich allerdings ein ungutes Gefühl. Es gab kollektive Selbstverbrennungen, zuerst in Amsterdam, dann in Stuttgart, Dresden, Stockholm, Zürich und anderswo. Vor allem die Punks fanden es geil, mit einer zahmen Ratte auf der Schulter herumzulaufen.

Den Grossen Knall überlebten ausser den Rattenvölkern nur der einzelne Mensch in seinem Raumschiff, ein paar weiss und scharlachrot gefiederte Spatzen und Tauben, grosse, fast durchsichtige Frösche und Lurche, zu Säugetieren mutierte Schmeissfliegen, Flugschnecken, Russwürmer und Spinnen, die ihre Netze unter Wasser bauen.

Die Ratten waren vor dem Großen Knall in unterirdischen Gängen verschwunden. Auf diese Weise hatten sie bereits die Sintflut überlebt, obwohl keines ihrer Paare von Noah mit an Bord der Arche genommen worden war. Wie damals retteten sich die Ratten in Luftblasen, während Alttiere wie Pfropfen die Gänge verstopften. Einige Zeit nach dem Großen Knall überlebten einige in Kernkraftwerken und Atommüllzwischenlagern aufgewachsene Ratten als erste die Versuche, zur Erdoberfläche zurückzukehren.

Als der Erzähler im Verlauf des Gesprächs mit der Rättin Nächstenliebe anmahnt, entgegnet sie:
Die müsse man Ratten nicht predigen. Die sei unter Ratten üblich seit Rattengedenken. Einzig das Menschengeschlecht habe sich Nächstenliebe zum Gebot machen müssen, unfähig, es einhalten zu können, wie sich gezeigt hätte.
Die Menschen hassten die Ratten, ekelten sich vor ihnen und unterschätzten sie. Dabei hatten sich die Ratten in den mittelalterlichen Klöstern zwischen Uppsala und St. Gallen wissend gemacht.
Was immer das Wort Leseratte gemeint haben mag, wir sind belesen, uns haben in Hungerzeiten Zitate gemästet, wir kennen durchweg die schöne und die sachliche Literatur, uns sättigten Vorsokratiker und Sophisten. Scholastiker satt! Ihre Schachtelsätze, die wir kürzten und kürzten, waren uns allzeit bekömmlich. Fußnoten, welch köstliches Zubrot!
Im Raum Danzig übernehmen mutierte Rattenmenschen, sogenannte Watsoncricks, die Herrschaft. In der posthumanen Zeit lernen die Ratten Feuer zu machen; sie garen, kochen und rösten nun ihre Maiskolben ebenso wie die Jagdbeute und füttern "selektierte Jungratten" mit ausgewählten Kern- und Kornqualitäten, bis sie schlachtreif sind. Menschliche Züge werden erkennbar:
Bei kleinstem Anlass gehen sie sich an die Kehle.
Oskar Matzerath, den wir aus "Die Blechtrommel" kennen, ist wieder da, allerdings merklich gealtert: Er wird in Kürze 60. Vorher ist er zur Feier des 107. Geburtstages seiner Großmutter Anna Koljaiczek in Danzig eingeladen. Matzerath ist jetzt Filmproduzent. Er stieg rechtzeitig ins Videogeschäft ein, zunächst mit einer (inzwischen eingestellten) Pornoreihe; dann erwarb er mit einem didaktischen Programm große Verdienste. Er lebt in einer Vorortvilla und wird von seinem ehemaligen Pfleger Bruno Münsterberg in einem großen Mercedes chauffiert.

Der Erzähler versucht, Matzerath zur Produktion eines Films über das Waldsterben mit dem Titel "Grimms Wälder" zu überreden, für den er das Drehbuch schreibt. Matzerath würde lieber eine Dokumentation über Lothar Malskat drehen, der nach dem Zweiten Weltkrieg unter der Kalkfarbe im Chor der Lübecker Marienkirche vermutete Fresken freilegen sollte und dabei heimlich selbst Fresken im gotischen Stil malte. Dann zeigte er sich selbst an, aber niemand wollte ihm glauben.
Es war nun mal die Zeit des Zwinkerns, der Persilscheine und des schönen Scheins. Im Jahrzehnt der Unschuldslämmer und weißen Westen, der Mörder in Amt und Würden und christlichen Heuchler auf der Regierungsbank, wollte niemand dies und das allzu genau wissen, gleich, was geschehen war.
In einem Film mit dem Titel "Fälscher am Werk" oder "Falsche Fuffziger" will Matzerath auch auf Konrad Adenauer und Walter Ulbricht eingehen, die es schafften, "die besiegten Deutschen zu mit den Siegern befreundeten Deutschen zu läutern".

Bruno fährt Matzerath nach Danzig. Der schenkt seiner Großmutter Goldmünzen zum Geburtstag, und als besondere Überraschung führt er einen von seiner Firma Post Futurum produzierten Film vor, auf dem die Geburtstagsfeier Szene für Szene vorweggenommen ist. Es wiederholt sich alles, was die Gäste gerade selbst erlebten. Schließlich sehen sie auf dem Bildschirm, wie sie Matzeraths Film anschauen. Endlos geht es weiter – bis um 12.05 Uhr die Neutronenbombe über Danzig explodiert. Die Geburtstagsgäste laufen aufgeregt ins Freie und werden auf der Stelle getötet. Matzeraths Mercedes brennt. Nur er und seine kaschubische Großmutter sind im Haus geblieben. Er kriecht zu ihr und verbirgt sich unter ihren Röcken – wie sein Großvater Josef Koljaiczek 1899 auf dem Kartoffelacker.

Obwohl Matzerath ebenso wie seine Großmutter in Danzig vertrocknet ist, kehrt er später nach Deutschland zurück. Der Erzähler:
Natürlich sage ich unserem Herrn Matzerath nicht, dass es ihn nicht mehr gibt; soll er doch weiter so tun, als ob er Chef ist. Andere – und selbst ich – glauben ja auch, dass es weitergeht irgendwie.
Erst einige Wochen später, während der Feier zu seinem 60. Geburtstag, erfährt Matzerath durch ein Telegramm, dass seine Großmutter gestorben ist.

Inzwischen hat er mit dem Erzähler endlich den Stummfilm über den deutschen Wald gedreht.

Der Bundeskanzler fährt mit seiner Eskorte auf einen Waldparkplatz. Die toten Bäume werden von Kulissen verdeckt, auf die ein gesunder Wald im Stil Moritz von Schwinds gemalt wurde. Vogelgezwitscher ist vom Tonband zu hören. Mitwirkende wie die Chorsänger werden erst von der Polizei nach Waffen abgesucht, bevor sie auftreten dürfen. Der Regierungschef beschwört in seiner vom Blatt abgelesenen Rede die heile, jedoch von Ungemach bedrohte Welt, bis sein Sohn Hans ruft: "Du redest wieder mal Scheiße!" Schnitt. Szenenwechsel.
Autohalden und Autoschlangen, Fabrikschornsteine in Betrieb, heißhungrige Betonmischmaschinen. Es wird abgeholzt, planiert, betoniert. Es fällt der berüchtigte saure Regen. Während Baulöwen und Industriebosse an langen Tischen das Sagen und bei Vieraugengesprächen genügend Tausenderscheine locker in bar haben, stirbt der Wald. Er krepiert öffentlich.
Hans ist mit seiner Schwester Margarethe in den Wald gelaufen. Überall wird nach den Kanzlerkindern gefahndet. Sie kommen zu einer Lichtung mit dem schindelgedeckten Waldgasthof "Zum Knusperhäuschen". Davor steht ein altmodischer Pfefferkuchen-Blechautomat. Eine "weder junge noch alte Frau" mit Lockenwicklern erhebt sich aus einem Liegestuhl. Sie trägt luftgetrocknete Ohren an einer Kette um den Hals.
Wie sie den großgeblümten Morgenrock über dem Büstenhalter zuknöpft, sieht Hänsel enorme Titten, größer als jene, die ihm gelegentlich träumen. Gretel jedoch erkennt die Hexe aus dem besagten Märchen.
Unter den Pensionsgästen des Waldgasthofs sind Schneewittchen und ihre böse Stiefmutter, Dornröschen und der Prinz, der die Schlafsüchtige begleitet, Rotkäppchen mit ihrer Großmutter und dem bösen Wolf, dessen Bauch mit einem Reißverschluss verschlossen ist, Rübezahl, Rapunzel, Jorinde und Joringel sowie das Mädchen mit den abgehackten Händen. Sie trinken und plaudern zusammen mit den Neuankömmlingen. Während der Prinz immer wieder Dornröschen wachküsst, schreit Rotkäppchen ihrer Großmutter ins Ohr: "Besauf dich nicht wieder!" Von der Stirn einer schlafenden Dame springt ein Frosch in den Ziehbrunnen und entsteigt ihm gleich darauf als Froschkönig im Taucheranzug. Ein Zwerg nach dem anderen zerrt Schneewittchen ins Gebüsch.
Rapunzel und die böse Stiefmutter nehmen sich Bindfäden ab, ein verzwacktes Fingerspiel, dem das Mädchen ohne Hände lange zusieht.
Als der Bundeskanzler das in einer Turmkammer spinnende Dornröschen fragt, ob es seine Kinder gesehen habe, erschrickt es und sticht sich mit der Spindel in den Finger. Alle erstarren: der Bundeskanzler mit einem Stück Buttercremetorte in der Hand, die Minister, Experten, Polizisten, Journalisten. Eine Hecke überwuchert alles.

Der Prinz, der mit Haaren von Rapunzel gefesselt wurde, kann sich einige Zeit später befreien und läuft davon.
Abwechselnd schicken die Hexe, Merlin und die böse Stiefmutter dem Flüchtling Hexen- und Zaubersprüche, Verwünschungen nach. Der Prinz stolpert, stürzt, überschlägt sich, läuft aber weiter. Jetzt wächst ihm eine lange Nase, jetzt wachsen ihm Fledermausohren. Aber er läuft und läuft. Nun wird er, weil sich die Sprüche steigern, überbieten, einander löschen, zum Reh, zum Einhorn, zur Kugel, aber er springt, trabt, rollt dennoch, bis er – nun ganz und gar wieder Prinz – den Waldrand erreicht, auf die überwucherte Autobahn findet und – ein überkrautetes Schild zeigt die Richtung – nach Bonn läuft.
Die Gebrüder Grimm gehören zur Regierung in Bonn. Statt Märchen sammeln sie jetzt soziale Daten und Kulturzeugnisse ausländischer Arbeiter. Wilhelm Grimms Aufsatz über "Die Rolle der türkischen Frau im Alltag der Bundesrepublik" hat selbst bei Feministinnen Zustimmung gefunden. Sein Bruder Jakob verfasst ein Buch über den allgemeinen Sprachverfall ("Schlumpfdeutsch"). Die Regierung ist machtlos gegenüber dem Großkapital. Als der Bundeskanzler nicht mehr auftaucht, übernimmt Jacob Grimm, unterstützt von seinem Bruder, die Notstandsregierung, aber weder gegen die lächelnden Bischöfe noch gegen die korrupten Industriebosse, Generäle und Professoren hat er eine Chance. Ein General lässt die Gebrüder Grimm verhaften; ein anderer setzt sich auf den frei gewordenen Stuhl des Kanzlers. Da stürzt der Prinz herein und erwirkt die Freilassung der Gebrüder Grimm.

Das "Unternehmen Dornröschenschlaf" läuft an. Eine Märchenfigur nach der anderen wird niedergewalzt. Der Prinz küsst Dornröschen. Sobald der Bundeskanzler mit einem Stück Buttercremetorte in der Hand, die Minister, Experten, Polizisten und Journalisten erwacht sind, werden auch der Prinz und Dornröschen vernichtet. Nur Hänsel und Gretel überleben. Auf ihrer Flucht durch den Wald treffen sie auf eine Kutsche, in der die Gebrüder Grimm auf sie warten. Gemeinsam fahren sie in die Vergangenheit, ohne Kutscher und rückwärts, die Kutsche voran und die Schimmel verkehrt herum.

Parallel dazu ist eine fünfköpfige Frauencrew unter der Kapitänin Damroka auf einem 1900 gebauten Besanewer, der mehrmals Eigner, Heimathafen und Namen gewechselt hat, in der Ostsee unterwegs, um die Quallendichte als Indiktator für das gestörte ökologische Gleichgewicht zu messen.
Zwar ist bekannt, dass die Ostsee von Algen verkrautet, durch Tangbärte vergreist, von Quallen übersättigt, obendrein quecksilbrig, bleihaltig, was noch alles ist, aber erforscht muss werden, wo sie mehr oder weniger, wo sie noch nicht, wo sie besonders verkrautet, vergreist, übersättigt ist, ungeachtet aller Schadstoffe, die anderenorts bilanziert sind.
Die fünf Frauen auf dem Forschungsschiff "Die neue Ilsebill" sind zwischen Mitte 40 und über 70. An einer Stelle weist die Steuermännin die Kapitänin darauf hin, dass dort Anfang der Siebzigerjahre der Butt gefangen wurde. Damroka kann den anderen vier Frauen nur kurze Zeit verheimlichen, dass sie den Forschungsauftrag nur angenommen hat, um die sagenhafte Stadt Vineta – in der einmal die Frauen das Sagen hatten – suchen zu können. Als das Schiff über der im Meer versunkenen Stadt ankommt, stellt sich heraus, dass die Straßen von Ratten bevölkert sind. Bevor die fünf Frauen hinabtauchen können, werden sie von der Neutronenbombe verdampft.

Das Wrack ihres Schiffes treibt in den Hafen von Danzig. Dort gehen haarige Rattenmenschen von Bord der "neuen Ilsebell".

Zwischendurch erfährt die Weihnachtsratte von ihrem Besitzer, was vor 700 Jahren in Hameln wirklich geschah. Schuld war Gret Rike, die 16-jährige jüngste Tochter des Ratmeisters, die zwar den ihr zugedachten Sohn des reichen Wassermüllers auf Distanz hielt, aber von ihrer Ratte schwanger wurde und Drillinge mit "allerliebst niedlichen Rattenköpfchen" gebar, die von 130 "gotischen Punks" in der Krypta der Bonifatiuskirche auf die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar getauft wurden.
Danach wurde bis in den Morgen am Ufer des Flusses Weser gefeiert. Aber es wollten die Bürger der Stadt die Freude der gotischen Punks nicht teilen. Noch waren die Wörter "Nukleinsäure" und "Genkette" außer Gebrauch. Vertierte Menschlein und vermenschtes Getier kamen nur im Märchen, auf Fabelbildern und – schlimm genug – beim Hexensabbat, doch nicht in Hameln am hellen Tage vor. Empörtes Geflüster machte die Gassen enger.
Als die Stadtbüttel die "neugestalteten Säuglinge" verhaften wollten, stellten sich die 130 gotischen Punks schützend um "den niedlichen Wurf". Die junge Mutter versteckte sich mit ihrem Rattenmann und den "drei besonderen Söhnchen" in einer Höhle im Kalvarienberg. Dorthin lockte der Ratmeister Lambert Rike auch die übrigen 129 Punks und spielte ihnen auf seinen verschieden gestimmten Flöten zum Tanz auf. Das war in der Nacht auf den 26. Juni 1284. Gegen Morgen stahl er sich davon, und auf sein Zeichen mauerten die in der Nähe wartenden Männer den Höhleneingang zu.

Kommentar:

Nachdem die Menschheit ihre Lebensgrundlagen zerstört, sich durch einen Atomkrieg selbst vernichtet und den Globus in eine Wüste verwandelt hat, bildet sich ein Rattenstaat. Nach Genmutationen nehmen die Ratten der posthumanen Zeit erste menschliche Züge an.

Diese Horrorvision verwendet Günter Grass als Grundlage seiner Fabel über die bornierte Ignoranz der Menschen.

Im ersten Drittel des Romans rauben mir die fantastischen Ideen und der Gedankenreichtum des Autors den Atem. Elegant wechselt Günter Grass zwischen den fünf oder sechs Handlungssträngen hin und her und verwebt die verschiedenen Ansätze auf ebenso intelligente wie poetische Weise zu einem komplex verschachtelten Ganzen, indem er die verschiedenen Geschichten in einen Dialog zwischen einer namenlosen Rättin und einem Menschen einbindet und dabei offen lässt, ob der Mensch das Tier oder umgekehrt die Rättin den Menschen träumt.

Das Erzählte changiert zwischen den Genres Märchen, Reisebericht und surrealer Roman, über die geplanten Videoproduktionen gewinnt Grass auch eine filmische Perspektive und er streut hin und wieder Gedichte ein. Einer der Erzählstränge spielt auf Günter Grass' Roman "Der Butt" an, Passagen über Schiffskatastrophen wie die Versenkung der "Wilhelm Gustloff" am 30. Januar 1945 mit 5000 Flüchtlingen an Bord weisen voraus auf sein Buch "Im Krebsgang". Oskar Matzerath und seine Großmutter Anna Koljaiczek aus "Die Blechtrommel" treten auf. Wenn der menschliche Erzähler mitunter die Rolle des Autors spielt, unterhält er sich auch mit seinen eigenen Figuren – wodurch das Fiktive der Geschichte betont wird. Das klingt dann beispielsweise so:
Wie gut, dass nur fünf Frauen an Bord kamen und nicht, wie nach Anmeldung, zwölf. Das hätte in meinem Kopf und auch sonst schlimmes Gedränge zur Folge gehabt.
Der Erzähler schnüffelt in den Sachen der Frauen an Bord und befingert sie. Als der Produzent Oskar Matzerath zögert, auf seinen Wunsch einzugehen und einen Film über den kaputten deutschen Wald zu drehen und jedenfalls vorher zum 107. Geburtstag seiner kaschubischen Großmutter nach Danzig fahren will, droht ihm der Erzähler:
Ich sage: "Es könnte mir im Nebensatz einfallen, Ihr Visum einfach verfallen zu lassen."
"Erpressung!", schimpft Matzerath. "Autorenhochmut!" Und nach seiner Rückkehr aus Danzig, wo er zusammen mit seiner Großmutter und den anderen Geburtstagsgästen durch eine Neutronenbombe ums Leben kam, beschwert er sich beim Erzähler:
"Nicht wahr? Sie haben mich abschaffen, regelrecht umbringen wollen. Es war Ihre Absicht, meine Geschichte weitweg in Polen, unter den Röcken meiner Großmutter zu beenden."
Originell und infantil, geistreich und fantasievoll spielt Günter Grass im ersten Drittel seines facettenreichen Romans mit den Möglichkeiten seines Konzepts. Danach führt er allerdings nur noch die bereits angelegten Erzählstränge fort, entwickelt keine neuen Ideen mehr und vertieft auch nicht die Kritik an der menschlichen Ignoranz oder die Warnung vor der Zerstörung der Lebensgrundlagen.

Die Sprache ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber wohlklingend und unverwechselbar.
Von Anbeginn war erstaunlich, wie nackt ihr Schwanz lang und dass sie fünffingrig ist wie der Mensch.
Martin Buchhorn verfilmte den Roman "Die Rättin" 1997 mit Mathias Habich in der Rolle des Malers und Videokünstlers Marcus Frank. Katharina Thalbach sprach die Rolle der Rättin. Aber der Film wird der spielerisch-komplexen Poesie der Vorlage nicht gerecht, und Günter Grass distanzierte sich davon.
(Interview mit Stefanie Letkin, Münchner Merkur, 20. September 2005).





Die kluge Ratte
Wilhelm Busch





Zwei listige Freunde
Ein Märchen aus Kamerun

Fledermaus und Ratte waren gute Freunde, aber beide viel zu arm, als dass sie sich Frauen hätten kaufen können. Nun besaß der Elefant eine Tochter, die jedes von den Tieren gern zur Frau genommen hätte, wäre sie nur nicht so teuer gewesen. Da versprach die Ratte, der Fledermaus zu helfen, die Elefantentochter zur Frau zu bekommen. Sie grub einen unterirdischen Gang bis zu der Stelle, wo man den Vater der Fledermaus begraben hatte. Dort versteckte sie sich und gab der Fledermaus den Auftrag: "Ruf alle Tiere, sie sollen sich am Grab deines Vaters versammeln. Dann forderst du den Elefanten auf, dir seine Tochter zur Frau zu geben. Weigert er sich, rufst du deinen Vater - in Wirklichkeit natürlich mich - zum Zeugen an, dass er dem Elefanten das Mädchen schon bezahlt hätte, und dass sie nur deshalb noch bei ihm sei, weil dein Vater gestorben wäre. Also frag den Elefanten, und wenn er seine Tochter nicht herausgeben will, werde ich mit ihm reden. Gibt er nicht zu, dass ich seine Tochter schon bezahlt hatte, fordere ich ihn auf, das hier vor uns allen zu bezeugen." Als sich nun alle Tiere am Grab des Vaters der Fledermaus eingefunden hatten, schüttelte sich die Ratte heftig in ihrem Loch und rief dann dem Elefanten drohend zu: "Gib meinem Sohn die Frau. Solltest du dich weigern, werde ich herauskommen!" Da fürchteten sich der Elefant und die anderen Tiere gewaltig, und der Elefant gab seine Tochter heraus. So verhalf die Ratte der Fledermaus zu einer Frau.
Der Elefant hatte aber noch eine zweite Tochter. Nun dachte die Fledermaus: 'Hat mein Freund mir eine Frau verschafft, muss ich ihm ebenfalls zu einer verhelfen.' Sie schlug darum dem Elefanten vor, alle Tiere zu einem Wettkampf einzuladen. Jeder sollte versuchen, einen Stein an das gegenüberliegende Ufer des Flusses zu werfen. Die Tiere kamen zusammen, und der Elefant verkündete: "Wem es gelingt, einen Stein auf die andere Seite des Flusses zu werfen, der soll meine zweite Tochter heiraten." Da bemühten sich die Tiere eines nach dem anderen, aber kein Stein flog bis ans gegenüberliegende Ufer. Nun bat die Fledermaus ihren Schwiegervater: "Ruf doch die Ratte, damit auch sie es versucht." Da rief der Elefant die Ratte und schickte die Fledermaus, Palmwein aus seinem Haus zu holen, den wollte der Elefant mit seinen Freunden trinken. Die Ratte nahm Aufstellung, um ihren Stein zu werfen. Unbemerkt von den anderen aber schlüpfte ihr die Fledermaus in die Achselhöhle, und als die Ratte ihren Wurf tat, flog die Fledermaus bis ans gegenüberliegende Ufer. Wenig später brachte sie dem Elefanten den Palmwein und bemerkte: "Hatte ich nicht gesagt, dass du die Ratte rufen sollst?" Der Elefant hielt Wort und gab seine zweite Tochter der Ratte zur Frau. Und so hatte auch die Fledermaus ihrem Freund zu einer Frau verholfen.





Der Häuptling mit dem Halbmond
Ein Märchen aus Südafrika

Es war einmal ein Häuptling, der von Geburt an mitten auf der Brust einen Halbmond trug. Dieser Häuptling hatte zwei Frauen. Der älteren von beiden waren zwei Söhne geboren worden, von denen aber keiner den Halbmond mitbekommen hatte. Die jüngere Häuptlingsfrau hatte zu der Zeit noch keine Kinder, und so liebte der Häuptling die ältere wegen ihrer Söhne mehr. Kurze Zeit später aber wurde die jüngere Frau ebenfalls schwanger. Am Tag ihrer Niederkunft rief sie die ältere Frau zu Hilfe. Das Kind wurde geboren, es war ein Sohn, und mit Überraschung und Eifersucht entdeckte die ältere Frau mitten auf seiner Brust den Halbmond. Als die jüngere Frau einen Augenblick unaufmerksam war, nahm die ältere, krank vor Eifersucht, das Kind rasch an sich, lief damit zum Viehkraal, wo eine Hündin ein paar Tage zuvor geworfen hatte, und nahm einen der Welpen. Das Neugeborene versteckte sie in einem großen Biergefäß in der Hütte und legte den Welpen neben die Mutter. Dann rüttelte sie die Mutter wach und zeigte auf den Hund. "Sieh nur", rief sie, "sieh, was du geboren hast!" Als die junge Mutter den Welpen sah, war sie zutiefst beschämt und traurig, denn sie wusste ja nicht, was geschehen war. Nach einer Weile wollte die ältere Frau das Neugeborene aus dem Biergefäß nehmen, um es zu töten, aber zu ihrem großen Erstaunen musste sie feststellen: Das Kind war verschwunden! Eine kleine Ratte hatte nämlich alles beobachtet und das Kind heimlich in ihr Loch gebracht.
Die ältere Frau lief nun zu ihrem Mann und berichtete ihm: "Die Jüngere hat einen Hund geboren." Der Häuptling war wütend und sagte: "Geh, ich möchte so etwas gar nicht sehen, geh und bring das Tier sofort um." Da brachte die Frau den Welpen in den Viehkraal zurück. Von jetzt an behandelte der Häuptling seine jüngere Frau roh, gab ihr böse Worte und hielt ihr vor, dass sie ein Ungeheuer zur Welt gebracht habe. Folglich schenkte er ihr auch nichts mehr, sondern sagte, dass sie sich in Zukunft an ihren Vater halten solle, wenn sie etwas brauche. Die kleine Ratte aber brachte das Kind jede Nacht heimlich zu seiner Mutter, damit sie es säugen konnte, und das tröstete die arme Frau sehr.
Eines Tages, als niemand da war, ging die ältere Frau in die Hütte der jüngeren und beobachtete, wie die kleine Ratte mit dem Kind spielte. Unruhig geworden, ersann sie eine List. Als der Häuptling nach Hause kam, gab sie vor, krank zu sein, und auf die Frage ihres Mannes, was ihr denn fehle, erwiderte sie: "Ich habe heute den Medizinmann kommen lassen, und der hat geweissagt, dass du die Hütte der jüngeren Frau niederbrennen musst, wenn ich mich je wieder erholen soll." Der Häuptling, der die ältere Frau liebte, war damit einverstanden, und am nächsten Morgen wurde die Hütte der Jüngeren bis auf den Grund niedergebrannt. Aber die kleine Ratte hatte mitgehört, was geschehen sollte, und das Kind schnell im Viehkraal in Sicherheit gebracht.
Als die ältere Frau später einmal durch den Viehkraal ging, beobachtete sie erneut, wie die kleine Ratte mit dem Kind spielte. Auch diesmal stellte sie sich krank und erzählte ihrem Mann, dass der Medizinmann geraten hatte, den Viehkraal zu zerstören, weil sie sonst ganz bestimmt sterben müsse. Der Häuptling gab den Befehl, den Viehkraal niederzubrennen. Aber die kleine Ratte hatte gelauscht und war mit ihrem kleinen Freund heimlich in das Dorf eines benachbarten Häuptlings geflohen. Dort brachte sie das Kind in einer Gästehütte unter, in der es aufwuchs.
Jahre später wohnten einmal zwei Besucher in der Hütte und sahen mitten auf der Brust des Jungen, der inzwischen herangewachsen war, den Halbmond. "Woher kommst du?" fragten sie ihn erstaunt. Der Junge, der seine Geschichte von der kleinen Ratte erfahren hatte, nannte den Männern den Namen seines Vaters. "Und was tust du hier?" wollten die Männer wissen. Da erzählte ihnen der Junge, was ihm seit seiner Geburt widerfahren war. Voller Staunen über das, was sie erfahren hatten, versprachen die Männer, dem Vater des Jungen schon am nächsten Morgen vom Aufenthaltsort seines Sohnes zu berichten. Aber aus Furcht davor, dass die ältere Frau versuchen würde, ihn zu töten, ließ sich der Junge versichern, dass die Männer niemandem außer seinem Vater das Versteck verraten würden.
Der alte Häuptling konnte sich kaum fassen, als er die Neuigkeit gehört hatte. "Seid ihr sicher, dass es mein Sohn ist?" fragte er. "Ganz sicher", antworteten die Männer, "er hat den gleichen Halbmond auf der Brust wie du." Sofort rief der Häuptling seine ältere Frau zu sich und befahl ihr, viel Bier brauen zu lassen. Er selbst begab sich am Abend in das Dorf, wo sich sein Sohn versteckt hielt, und als er den Halbmond sah, war er endgültig beruhigt und lauschte schweigend der Geschichte, die sein Sohn zu erzählen hatte. "Bleib heute Nacht noch hier, morgen werde ich nach dir schicken", sagte er. Als er wieder in seinem Dorf angelangt war, rief der alte Häuptling zwei Boten. Dem einen gab er ein Löwenfell und hieß ihn den Sohn holen. Den anderen sandte er zu dem wichtigsten Unterhäuptling und ließ ihm ausrichten, dass er alle seine Leute versammeln solle und zusammen mit ihnen morgen im Hauptdorf erscheinen möge. Der Sohn wurde nach seiner Ankunft heimlich in eine Hütte gebracht, und als alle Leute versammelt waren, befahl der Häuptling, das Bier zu bringen. Und während alle tranken und sich fragten, was wohl geschehen würde, holte der alte Häuptling seinen Sohn, der unter einem Löwenfell verborgen war, aus der Hütte. Er setzte ihn vor die Versammelten und ließ sich dicht daneben nieder. Nach einer kleinen Weile erhob er sich, nahm das Löwenfell weg und enthüllte für alle sichtbar seinen Sohn mit dem Halbmond auf der Brust. Die Leute gerieten vor Überraschung außer sich. Dann wandte er sich an seine ältere Frau mit der Frage: "Woher kommt dieser Sohn?" Die Frau gab keine Antwort, sie schlug nur die Augen nieder. Der Häuptling sah, dass sie schuldig war, und sagte: "Geh, du Elende, nimm deine Söhne und alle deine Sachen und verschwinde für immer aus diesem Dorf." Dann wandte er sich an seine Leute und sprach: "Hier ist euer Häuptling. Nicht ich werde von heute an Häuptling sein, sondern mein Sohn. Er nimmt meinen Platz ein. Ihr müsst ihn ehren, wie ihr mich geehrt habt." Großer Jubel brach aus. Es wurde viel Vieh geschlachtet, und jedermann aß und trank und erwies dem neuen Häuptling die Ehre.





Aus der Zopfzeit
Heinrich Heine

Zu Kassel waren zwei Ratten,
Die nichts zu essen hatten.

Sie sahen sich lange hungrig an;
Die eine Ratte zu wispern begann:

»Ich weiß einen Topf mit Hirsebrei,
Doch leider steht eine Schildwach dabei;

Sie trägt kurfürstliche Uniform,
Und hat einen Zopf, der ist enorm;

Die Flinte ist geladen mit Schrot,
Und wer sich naht, den schießt sie tot!«

Die andere Ratte knistert
Mit ihren Zähnchen und wispert:

»Des Kurfürsten Durchlaucht sind gescheit
Er liebt die gute alte Zeit,

Die Zeit der alten Katten,
Die lange Zöpfe hatten.

Durch ihre Zöpfe die Katten
Wetteiferten mit den Ratten.

Der Zopf ist aber das Sinnbild nur
Des Schwanzes, den uns verlieh die Natur;

Wir auserwählten Geschöpfe,
Wir haben natürliche Zöpfe.

O Kurfürst, liebst du die Katten,
So liebst du auch die Ratten;

Gewiß für uns dein Herze klopft,
Da wir schon von der Natur bezopft.

O gib, du edler Philozopf,
O gib uns frei den Hirsetopf,

O gib uns frei den Topf mit Brei,
Und löse ab die Schildwach dabei!

Für solche Huld, für solchen Brei,
Wir wollen dir dienen mit Lieb und Treu.

Und stirbst du einst, auf deinem Grab
Wir schneiden uns traurig die Schwänze ab,

Und flechten sie um dein Haupt als Kranz;
Dein Lorbeer sei ein Rattenschwanz!«





Die Ratte Robert
Janine Gürtler
Die Ratte Robert lebte
glücklich in Haus 33.
Er fühlte sich hier pudelwohl.
Übte böse Streiche fleissig,
und spielte mit Omas Rosenkohl.
Die kleine schwarze Ratte,
die ist ein frecher Bursche.
Stopfte in den Abfluss weisse Watte
und fuhr Familie Krauses Porsche.
Doch weil er auch ein bisschen dick,
passierte ihm manches Missgeschick.
Klirr, fiel die neue Vase um.
»Ach, das war ja gar zu dumm!«
Und Schwupp, kam ein Teller hinterdrein.
Der Robert schämte sich aber nicht!
Er sagte sich leise: »Das ist fein!«
Und hatte ein Lächeln im Gesicht.
Doch da kam die Frau nach Hause,
mit der lieben Familie Krause.
Sie sahen die schlimme Bescherung;
und forderten eine Erklärung.
»Der Robert, der soll sofort aus dem Haus!«
Das sagte der geplagte Vater Klaus.
Erst wollten sie die Ratte zwingen,
der Kater sollte sie verschlingen.
Doch als die Tat nicht vollbracht,
verlangte die Ratte einen Lohn.
Sie wollte eine Luxusyacht
und natürlich einen gold’nen Thron.
Und als hätte er noch nicht genug,
forderte er noch größ’ren Unfug:
Wie fällt man jenen mehr zur Last,
wenn nicht mit ’nem Königspalast?
Sobald er ihnen das befohlen,
Nahm ihn die Familie gar nicht ernst.
Der Sohn begann gleich laut zu johlen,
Und Robert drohte: »Warte ab, bis du’s lernst!
Auch wenn ihr mir nicht die Pfoten leckt,
aber habt ein wenig mehr Respekt!
Sonst kriegt ihr mich garantiert nicht weich!«
Und schon folgte ein neuer Streich.
Robert biss dem Kater in seinen Schwanz.
Sodass er vollführte einen wilden Tanz.
Die Ratte lachte sich ins Pfötchen
und stahl als Festmahl noch ein Brötchen.
Da gingen die Krauses zur Polizei
und meldeten die ganze Schweinerei.
Als sie erzählten die ganze Geschicht’,
kam die Ratte Robert vor’s Gericht.
Doch so sehr sie auch nach Straftaten suchten,
er hatte die Punkte für sich zu verbuchen.
So kam die Familie in die Klappsmühle
und Roberts Palast war nun das Haus.
Als Thron nahm er sofort die Küchenstühle.
Jetzt nutzte er seine Freiheit kräftig aus.
Statt einem nahm er sogar ganze acht.
Und die Quietsche-Ente als Luxusyacht.
Er fühlt sich dort nun pudelwohl
und spielt ungestört mit Rosenkohl…





Lieber Ratten im Keller, als Verwandte im Haus.