Krankheiten





Abszesse

Abszesse sehen auf den ersten Blick aus wie Tumore. Sie werden jedoch nicht operiert, sondern geöffnet, ausgedrückt und gespült. Wichtig ist, dass die Wunde immer offengehalten und gespült wird, damit die Heilung von innen nach außen stattfindet und dadurch keine Bakterien im Inneren der Wunde übrig bleiben. Mit homöopathischen Mitteln kann man die Heilung unterstützen. Dosierung bitte beim Tierarzt erfragen. Da der Laie den Unterschied oft nicht erkennen kann, auf jeden Fall den Tierarzt aufsuchen. Die offene Wunde muss auch zweimal täglich desinfiziert werden (z.B. mit Jodoplex). In der Regel wird der Tierarzt auch Antibiotika verabreichen (z.B. Chloropal), damit keine Infektionen entstehen.





Alterserscheinungen

Ratten die ein gewisses Alter erreichen werden in der Regel wesentlich ruhiger, als sie es vorher waren (es gibt natürlich auch Ausnahmen). Es kann vorkommen dass die Ratte im hohen Alter erblindet, sie wird sich auch in diesem Zustand weiterhin zurechtfinden, man sollte aber auf diesen Umstand Rücksicht nehmen. Es können auch Lähmungserscheinungen auftreten, die sich im Laufe der Zeit verschlimmern. Daher darauf achten, dass das Tier keine Kletterkünste mehr vollbringen muss, um essen, trinken, schlafen oder zur Toilette (falls vorhanden) gehen kann. Es kann auch sein, dass das Tier nicht mehr im Stande ist, sich selber zu putzen. Man kann dies übernehmen mit einer Babybürste, leicht angefeuchtet (nicht nass - Erkältungsgefahr). Das Fell wird sich auch verändern und stumpf werde, kann stellenweise sogar so dünn werden, das man die Haut sehen kann. Es kann auch vorkommen, dass Hinterhandlähmung eintritt. Das heisst die Ratte kann mit ihren Hinterbeinen nicht mehr richtig oder unter Umständen gar nicht mehr gehen kann. Es kommt in diesem Fall darauf an, wie gut die Ratte damit umgehen kann, oft bewegen sie sich trotzdem noch ganz geschickt fort.





Atemwegsprobleme

Atemwegserkrankungen treten bei Ratten leider sehr häufig in den verschiedensten Variationen auf und können auch verschiedene Ursachen haben. Ratten sind sehr anfällig für Zugluft, diese sollte also unbedingt vermieden werden. Der Käfig sollte sich auch nicht in unmittelbarer Nähe einer Heizung befinden, da dort die Luft sehr trocken ist. Auch die Einstreu des Käfigs kann ein Grund für Atemprobleme sein. Alzu staubige Einstreu sollte also ebenfalls vermieden werden, die handelsübliche Einstreu die meist angeboten wird, ist für Ratten nicht geeignet. Genauere Informationen dazu in der Rubrik "Käfig". Selbstverständlich sollte man mindestens in der näheren Umgebung der Ratten unbedingt auf das Rauchen verzichten. Dies gilt auch für Duftlampen, -stecker und Ähnliches.
Sollte die Ratte nur einen leichten Schnupfen haben, kann man versuchen, ihr lauwarmen Kamillentee anzubieten. Vitaminpräparate welche in den Zoohandlungen erhältlich sind können dazu beitragen die Abwehrkräfte der Ratte zu stärken. Viele Ratten haben rötlichen Nasenausfluss, dabei handelt es sich meist nicht wirklich um Blut, sondern um eine Absonderung der Harderschen Drüse, aber es ist ein Zeichen für ein geschwächtes Immunsystem. Es gibt auch Tiere die diesen rötlichen Ausfluss an den Augen haben.
Sollte sich der Schnupfen so nicht innert 3-4 Tagen legen, oder gar verschlimmern sollte ein Tierarzt aufgesucht werden, da eine Behandlung mit Antibiotika dann vermutlich notwendig wird.
Tritt Flankenatmung auf oder man hört knackende oder pfeifende Geräusche beim Atmen könnte es sich um eine Fehlfunktion der Lunge handeln, auch in diesem Fall sollte der Tierarzt aufgesucht werden.
Auf Milchprodukte (Käse, Joghurt und Ähnliches) sollte man bei Atemwegserkrankungen verzichten, denn diese haben eine verschleimende Wirkung. Ferner sollte man grundsätzlich, auch bei gesunden Ratten, kein Futter direkt aus dem Kühlschrank geben, zu kalte Nahrung ist für die Ratten in jedem Fall ungesund. Kranke Ratten brauchen Wärme, man kann eine Rotlichtlampe aufstellen, sollte aber darauf achten, dass nur eine Ecke des Geheges angestrahlt wird und das Tier selbst aussuchen kann, ob es in der Wärme liegt oder nicht. Die Temperatur sollte nicht wärmer als Handwarm sein.
Achtung: Die Ratte kann sich auch bei Ihrem Halter anstecken, man sollte also unbedingt auf Hygiene achten (Hände waschen, Tiere nicht "anniesen").





Augenprobleme

Was vor allem bei älteren Ratten häfiger vorkommt, sind "blutige" Augen. Dabei handelt es sich in der Regel nicht wirklich um Blut, sondern um ein Sekret aus der Haderschen Drüse und ist nicht unbedingt ein Anzeichen für Krankheit, aber für ein geschwächtes Immunsystem. Dieser Ausfluss kommt noch häufiger bei der Nase der Ratten vor. Daher dafür sorgen, dass die Ratte gesund und vitaminreich ernährt wird.

Grauer Star: Die Pupille der Ratte scheint durchsichtig zu sein oder zu werden. Leider ist das nicht behandelbar und die Ratte wird blind. Dies ist sicherlich nicht erfreulich, da Ratten aber schon von Natur aus ein eher schwaches Sehvermögen haben, können sie damit immer noch gut leben, da sie sich mehr durch ihren Tastsinn (Vibrissen) und ihr Gehör orientieren.





Bisswunden

Es kann gelegentlich vorkommen, dass sich die Ratten bei ihren Raufereien Bisswunden zufügen. In der Regel sind diese auch nicht weiter schlimm und heilen von selbst ab. Sollte es sich aber um eine grössere Wunde handeln, die stark blutet erst einmal die Blutung stoppen mit einem sauberen Baumwolltuch. Danach muss man, abhängig von der Grösse der Wunde abwägen ob ein Tierarztbesuch notwendig ist oder nicht, d.h. ob die Wunde so gross ist, dass sie allenfalls genäht werden muss. Aber auf jeden Fall beobachten ob die Wunde abheilt oder wieder aufgeht.





Blutiger Urin

Sollte der Urin blutig sein, erst einmal klären, ob es sich um eine äusserliche Verletzung im Genitalbereich handelt. Sollte dies nicht der Fall sein, gibt es immer noch verschiedene Möglichkeiten worum es sich handeln könnte: Blutvergiftung (durch offene, verschmutze Wunden), Infektion der Harnwege, der Blase oder bei einem Weibchen der Gebärmutter. Daher in jedem Fall den Tierarzt aufsuchen. Auch in diesem Fall kann lauwarmer Kamillentee eine Linderung sein, ist aber kein Heilmittel für schwerwiegende Erkrankungen.





Bumblefoot (Ballenabszess)

Bumblefoot ist wie der deutsche Name sagt ein Ballenabszess (an den Fussohlen der Hinterfüsse). Es sind offene Wunden die zu einem grosses Geschwulst werden können, wenn man es nicht behandelt. Enstehen können diese Verletzungen z.B durch ungeeignete Einrichtungsgegenstände mit scharfen Kanten oder Ähnlichem. Wichtig ist auf jeden Fall ein ständig sauberer und weich ausgepolsteter Käfig (z.B. ausgelegt mit Haushaltspapier, muss aber 2-3 Mal täglich gewechselt werden). Da die Wunden sich sehr schwer schliessen, vor allem wenn Schmutz hineingelangt, sollte man von vornherein dafür sorgen, dass dies nicht passieren kann. Also kein Heu, Streu oder Ähnliches, was an der offenen Wunde kleben bleiben kann. Was auch hilfreich ist: Einmal täglich ein Fussbad mit dem Tier machen in lauwarmem Kamillentee. Dadurch wird die Wunde desinfiziert und der Heilungsprozess beschleunigt. Darauf achten, dass der Tee nicht zu heiss ist! Das Fussbad lange genug machen, dass sich Vereiterungen lösen können und vorsichtig ausdrücken. Nach dieser Prozedur eine tiergerechte Desinfektionssalbe (sparsam) auftragen.





Durchfall

Das Grünfutter reduzieren oder vorübergehend ganz einstellen bis der Durchfall vorbei ist. Keine Milchprodukte!






Entwöhnung (zu frühe)

Es gibt leider immer wieder Leute, die die Jungtiere zu früh von der Mutter trennen. Dies kann die Kleinen erheblich schädigen. Es können die gleichen Symptome auftreten wie bei einem Schlaganfall, wenn die Kleinen die Muttermilch noch gebrauch hätten; d.h. es tritt ein Vitamin B12 Mangel auf, was z.B zu Nervenschädigungen führen kann (Verkümmerung der peripheren Nerven). Dies muss man versuchen auszugleichen. Vitamin B12 kommt vor allem in Lebensmitteln tierischer Herkunft vor aber davon sind nicht alle für den Verzehr für die Ratte geeignet, daher werden hier nur die für die Ratte verträglichen Nahrungsmittel genannt: Babymilch (Milchpulver aus der Apotheke) muss mit einer Spritze (ohne Nadel!) der Ratte verabreicht werden. Sie wird dies auch gerne annehmen, Jungtiere nehmen dies in der Regel ohne Probleme. Fisch, Eigelb, Käse (sehr beliebt sind bei unseren Tieren Babybel Light und Tilsiter) kein Schimmelkäse! Joghurt oder Fruchtzwerge sind ebenfalls gut geeignet. Joghurt aber mit Vorbehalt, da es bei Überdosierung zu Durchfall führen kann, was für einen sowieso schon geschwächtes Tier sehr ungünstig sein kann. Erholt sich das Tier nicht einigermassen innert 3-4 Tagen den Tierarzt aufsuchen, damit keine bleibenden Schäden entstehen.





Knochenbrüche, Verstauchungen

Unbedingt Tierarztbesuch, Selbstbehandlung nicht möglich ! Auf gar keinen Fall versuchen so etwas selber zu "behandeln".





Parasiten

Es gibt verschiedene Arten von Parasiten: Milben. Flöhe, Haarlinge (Läuse), Würmer oder auch Pilze. Parasiten können auch auf andere Tiere übertragen werde. Pilze auch auf Menschen. Würmer hingegen sind bei Ratten sehr selten.
Befall von Milben, Flöhen oder Haarlingen ist dadurch erkennbar, dass sich die befallenen Tiere ausserordentlich oft kratzen, so dass im Extremfall Krustenbildung zu sehen ist durch das häufige Kratzen.
Behandlungsmöglichkeiten:
Milben, Haarlinge, Flöhe:
Es gibt diverse Sprays die in Tierhandlungen oder beim Tierarzt erhältlich sind. Empfehlenswert wären z.B. Ivomec, Dectomax oder Stronghold. Dies kann durch eine Spritze iniziert werden. Es ist aber auch möglich und wird auch immer öfter so angewendet, dass man den Tieren bis 500g einen Tropfen, ab 500g zwei Tropfen ins Genick gibt und dies dann etwas einmassiert. Die Behandlung wird nach 10 Tagen wiederholt. Sollte der Befall dann immer noch vorhanden sein, nach weiteren 10 Tagen die Behandlung noch einmal wiederholen. Es sollten dabei auch jeweils der Käfig und die Schlafplätze mitbehandelt werden. Holzhäuschen und Korkröhren gut waschen und anschliessend im Backofen bei 120 Grad gut trocknen. Sachen aus Heu wegwerfen, natürlich auch das Streu. Für den Käfig kann man ein gutes Hundeshampoo verwenden (z.B Ectofum - beim Tierarzt erhältlich.) Sind wunde Stellen im Fell, sollten diese vorher großzügig mit Penatencreme oder Bepathen-Wundsalbe abgedeckt werden.
Würmer:
Durchfall ist eines der Anzeichen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem starken Gewichtsverlust kommen. Wurmbefall wird durch eine mikroskopische Untersuchung des Kots festgestellt und ist behandelbar.





Schiefkopf

Wenn die Ratte den Kopf schief hält, Gleichgewichtsstörungen bekommt oder torkelt, könnte eine Infektion des Innenohrs oder auch Mittelohrs vorliegen. Unbedingt den Tierarzt aufsuchen, er wird Antibiotika verabreichen gegen die Infektion. Die Erkrankung ist leider nicht heilbar, aber die Mittel sollten sie zum Stillstand bringen. Der Käfig sollte behindertengerecht eingerichtet sein. Die meisten Ratten lernen mit der Erkrankung zu leben.





Schlaganfall

Die Symptome äußern sich unterschiedlich vom ruhigen in der Ecke kauern mit gesträubtem Fell bis zur totalen Unruhe. Es können auch Gleichgewichtsstörungen und/oder (einseitige) Lähmungserscheinungen bis hin zu Bewusstseinsstörungen auftreten, die die Motorik der Ratten durcheinanderbringen. Das heißt, die Ratte kann beim Laufen zur Seite kippen, auch eine Kopfschiefhaltung ist möglich. 
Einige dieser Symptome, wie u.a. Desorientierung, treten jedoch auch noch bei anderen Erkrankungen auf, daher sollte man unbedingt einen Tierarzt konsultieren.

Ältere Ratten, die nicht mehr so bewegungsfreudig sind und dicke, stark übergewichtige Tiere sind mehr gefährdet als Jungtiere. Da jedoch bei so kleinen Tieren die Untersuchungs-, bzw. Diagnosemöglichkeiten beschränkt sind, kann auch ein Tierarzt nur Vermutungen anstellen und einen Schlaganfall weder mit Sicherheit bestimmen, noch ausschließen. Diagnose wie auch anschließende Behandlung bauen also meist nur auf Vermutungen auf.
Eine zusätzlich erhöhte Gabe von Vitamin B 1 und B 12 erscheint sinnvoll (Bei Mangel an B 12 kann es u.a. zu Schädigungen des Nervensystemes und Koordinationsstörungen kommen, Mangel an B 1 kann u.a. zu Schäden im Gehirn führen. Der gesamte Vitamin B-Komplex kann vom Tierarzt injiziert oder der Ratte oral gegeben werden, wobei Vitamin B 12 oral in doppelter Dosis verabreicht werden muss, damit eine ausreichende Wirksamkeit gegeben ist (Injektion 0,5 ml, oral 1 ml). Als einziges wasserlösliches Vitamin hat Cobalamin (B12) eine große Speicherfähigkeit im Körper (bis zu 5 Jahre).

Etwas Geduld ist Voraussetzung, denn es kann 8-10 Tage dauern, bis sich erste Anzeichen einer Besserung einstellen.





Schnupfen

Beim Schnupfen gibt es verschiedene Möglichkeiten warum die Ratte niest. (Siehe Atemwegsprobleme). Sollte es sich nur um ein leichtes gelegentliches Niesen handeln, hilft es oft schon lauwarmen Kamillentee zum Trinken anzubieten, oder falls es sich um eine Allergie handelt, die Einstreu zu ändern. Handelt es sich aber um einen schweren Schnupfen der nach 3-4 Tagen nicht verschwunden ist oder gar schlimmer geworden ist, sollte man den Tierarzt aufsuchen, da es sonst zu einer Lungenentzündung kommen kann, welche durchaus (wenn nicht behandelt) tödlich enden kann.





Tumore

Tumore können an fast jeder Stelle des Körpers auftreten. Die Äusserlichen lassen sich chrirurgisch entfernen. Innere Tumore sind nur schwer und mit geringen Chancen zu entfernen. Der Tierarzt muss entscheiden, ob ein Tumor operabel ist, ob der Allgemeinzustand der Ratte stabil genug für eine OP ist und ob es sinnvoll ist. Sollte man sich für eine Operation entscheiden, sollte diese auch sofort gemacht werden (bevorzugt mit Inhalationsnarkose), bevor der Tumor zu groß dafür geworden ist und andere Körperteile oder innere Organe in Mitleidenschaft zieht.
Sollte der Tumor nicht operabel sein, so sollte man der Ratte das Leben so angenehm wie möglich machen. Sofortiges Einschläfern muss nicht sein, solange das Tier noch aktiv ist. Die meisten äusserlichen Tumore verursachen bei Tieren auch keine Schmerzen, werden aber, je grösser sie werden, eine Einschränkung der Beweglichkeit und können irgendwann aufplatzen.





Unterernährung

Ist eine Ratte unterernährt sollte ihr sehr energiereiche Nahrung zugeführt werden. Sie darf in so einem Fall auch sehr kalorienreich sein. Babybrei, Bananen und alles was die Ratte besonders gern hat. Sollte die Ratte die Nahrungsaufnahme aber verweigern, ist sie aus unerkennbarem Grund abgemagert sollte man in jedem Fall den Tierarzt aufsuchen.





Würgen

Absolute Notsituation Erstickungsgefahr! Ratte mit dem Kopf nach unten halten und auf den Rücken klopfen bis sich das Verschluckte löst. Das Rückenklopfen muss gut "dosiert" sein. Vorsichtig, aber kräftig genug das es hilft.





Zahnprobleme

Zahnprobleme treten am häufigsten auf, weil die Tiere zuwenig harte Nahrung oder Nagemöglichkeiten haben. Werden die Zähne dadurch zu lang muss man die Zähne unbedingt beim Tierarzt kürzen lassen. Um solche Probleme auszuschliessen, immer darauf achten, dass die Tiere genügend Nagematerial haben. Auch Schiefstellungen der Zähne können Probleme bis zur Nahrungsverweigerung zur Folge haben. Auch in diesem Fall muss ein Tierarzt aufgesucht werden um das zu korrigieren.