| Ich bin vielleicht noch etwas jung um meine Memoiren zu schreiben, aber ich erzähle hier einfach mal, wie es mir im Lauf meines Lebens bisher so ergangen ist. Ich wurde ca. im Februar 2010 geboren in Luzern, Sir Henry ist mein Bruder und wir kamen zusammen mit Travis zu einer Frau bei der wir so ca. ein halbes Jahr oder auch etwas mehr gelebt haben. Wir waren eigentlich ganz lieb, dachte ich, aber irgendwann mochte sie uns nicht mehr und hat zu jemandem gesagt, dass wir stinken, so was ! Wir stinken doch nicht. Sie wollte dann auch umziehen und wir waren ihr im Weg. Sie hat sich beim Rattenclub gemeldet und gesagt, dass Sie uns abgeben möchte und das möglichst schnell weil sie uns sonst einschläfern lassen würde. Ich wusste ja nicht was das bedeutet, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das nichts Gutes bedeutet. Eines Morgens kam sie dann zu unserem Käfig und packte uns alle drei in eine Kartonschachtel die sie ganz zugeklebt hat. Man das war ja dunkel da drin. Ich hatte richtig Angst, weil ich nicht wusste was sie mit uns vorhat und was nun mit uns passiert. Sie trug uns irgendwo hin und setzte uns wieder ab. Ich hörte wie sie telefonierte und sagte, sie hätte jetzt grade mit uns zum Tierarzt zum einschläfern fahren wollen, aber sie fahre auch nach Zürich. Was das wohl bedeutete? Wir drei haben uns ganz fest aneinander gedrückt und gehofft, dass wir bald aus dieser blöden Schachtel raus dürfen. Wir waren mit dem Auto unterwegs, das kannte ich schon und es kam mir vor als wären wir unheimlich lang gefahren, dann hielt unsere Ernährerin an und hob unsere Schachtel aus dem Auto. Sie sprach mit einer Frau, deren Stimme ich nicht kannte und wir wurden wieder abgesetzt. Auf einmal wurde es hell und die Schachtel ging auf, die fremde Frau deren Stimme ich vorher gehört hatte schaute uns an. Ich glaube wir haben ihr gefallen. Sie hob uns alle drei aus der Schachtel und setzte uns in einen Käfig, man der war ja gross ! Ich wusste gar nicht, was ich zuerst auskundschaften sollte. Unsere Ernährerin sprach noch kurz mit der fremden Frau und ging dann weg. Sie liess uns einfach hier zurück?! Ich war erst mal etwas schockiert, aber ich hatte gar keine Zeit mich damit lang aufzuhalten, soviele neue Gerüche und Eindrücke stürmten da auf mich ein. Ich roch auch noch etwas anderes: Fremde Ratten, ganz viele und alles Jungs. Oh mein Gott, aber ich sah sie nicht, ich roch sie nur. Als ich mich daran machte unsere Etage zu erkunden, dass war ja gar nicht der ganze Käfig, wo wir uns grade aufhielten, aber das merkte ich erst später, sah ich auf einmal noch eine Ratte! Ein fremder Junge sass schon in unserem Abteil! Er hiess Barry White und er erzählte mir, dass er auch erst grade hier angekommen sei, grade mal eine Stunde vor uns. Er war aber schon sehr alt und auch müde von seiner Reise, so liess ich ihn in Ruhe. Ich entdeckte den Fressnapf und wir haben als Begrüssungsessen Spaghetti bekommen, das war ja was Feines! Ich habe mir den Bauch voll geschlagen und mich dann erst mal schlafen gelegt. Am Abend als wir grade so am Spielen waren, kam die fremde Frau wieder und holte uns aus dem Käfig. Meine Güte, was war den jetzt schon wieder los? Sie setzte uns in ein Zimmer wo ein Kletterbaum stand, ein Katzenbaum, auch sonst hatte es noch ein paar Sachen zum Spielen. Grade als ich mich damit beschäftigen wollte, kamen noch drei Ratten und noch mehr. Das waren die fremden Jungs die ich am Mittag gerochen hatte und die waren ja gross. Ich habe mich mächtig erschrocken. Ein braun-weisser kam auf mich zugelaufen und stellte gleich seinen Pelz auf. Giacomo! Er machte mir gleich klar, dass er der Boss hier sei. Ich habe ihm auch gar nicht wiedersprochen, ich war ja nicht lebensmüde. Dann kam schon der nächste: Shadow, er sagte mir er sei der Bruder von Giacomo und der sei eigentlich ganz ok, ich solle einfach akzeptieren, dass er der Chef ist und dann werde alles gut. Naja.... Shadow schien ja ganz ok zu sein, Flake kam auch und begrüsste mich, er war auch ganz nett und beschnüffelte mich nur, liess mich aber ansonsten in Ruhe. So auch Limbo, der dritte von diesen Brüdern. Skippy und Merlin waren da aber ganz anderer Ansicht, sie mochten uns nicht und das haben sie uns auch deutlich zu verstehen gegeben. Ich beobachtete Barry White, aber der nahm das Ganze völlig cool und fand auch gleich einen Freund im alten Rudel: Sunny. Sunny war etwa gleich alt und auch ein ganz ruhiger Rattenmann. Die älteren Semester wie z.B. Jim und Milo waren mit uns einverstanden, sie waren ja auch über das Raufboldenalter längst hinaus. Da sassen wir nun also mit dieser ganzen Bande. Nach ca. einer Stunde durften wir wieder zurück in den Käfig. Ich war froh wieder mit Travis, Sir Henry und Barry White alleine zu sein. Das Ganze war alles ein Bisschen viel auf einmal. Am nächsten Abend durften wir wieder auf die Spielwiese und auch am Tag darauf. Unsere neue Ernährerin dachte wohl, dass wir uns nun verstehen und als wir wieder in den Käfig gesetzt wurden, waren auf einmal die Durchgänge nach oben offen. Ich freute mich und ging auch gleich hinauf. Ich hatte kaum meinen Kopf durch die Öffnung gesteckt, da stand auch schon Merlin da und fauchte mich an: Was willst Du hier ? Du hast hier nichts verloren, dass ist unser Käfig. Ich erschrak ganz fürchterlich, konnte aber nicht mehr zurück, weil schon Travis hinter mir die Röhre hochgelaufen war. Also sprang ich aus der Röhre raus und flüchtete erst mal in eine andere Röhre die auf dieser Etage aufgehängt war. Travis und Sir Henry taten das Gleiche. Da sassen wir nun und an jedem Ende dieser grossen Röhre sass eine Ratte die uns anfauchte, Merlin und Skippy. Manchmal kam auch Giacomo vorbei und kontrollierte ob wir auch in der Röhre blieben. Wir trauten uns überhaupt nicht mehr da raus zu kommen. Wir schliefen, assen und pinkelten in dieser Röhre die nächsten zwei oder drei Tage lang. Das gefiel unserer neuen Ernährerin aber nicht und so nahm sie die Röhre und auch alles andere was sich auf dieser Etage befand weg. Sie machte die Durchgänge wieder zu und wir sassen alle auf einer Etage ohne Versteckmöglichkeiten. Das war ja ein Horror. So verbrachten wir auch wieder zwei oder drei Tage. Giacomo hat sich in dieser Zeit weitest gehendst beruhigt und akzeptierte uns schon fast, Skippy schien sich auch langsam zu beruhigen, aber Merlin war schlimm. Travis und Sir Henry liess er zwar meistens in Ruhe, aber auf mich hatte er es abgesehen. Er konnte mich nicht leiden und verfolgte mich ständig, auch als wir wieder den ganzen Käfig benutzen durften. Schliesslich, eines nachts, biss er mir sogar mein Schwanzspitzchen ab! Ich habe geschrien wie am Spiess und unsere Ernährerin ist wach geworden und hat sich ziemlich aufgeregt, es war auch alles voller Blut. Sie hat mit Merlin geschimpft, ihn hat das aber überhaupt nicht interessiert. Ich habe mich versteckt und als ich am nächsten Morgen wach wurde, waren Merlin, Giacomo und Skippy weg. Ich dachte schon, ich hätte jetzt meine Ruhe, aber am Nachmittag waren sie schon wieder da. Sie waren aber sehr müde und rochen auch ganz komisch. Ihre Brüder haben sie erst gar nicht erkannt deswegen und wollten schon Streit mit Ihnen anfangen, haben dann aber doch noch gemerkt, wenn sie da vor sich haben. Die drei sind schlafen gegangen ohne Ärger zu machen, ich staunte, aber ich habe auch gesehen, dass sie keine richtigen Jungs mehr waren. Da dachte ich noch: Das habt ihr jetzt davon, dass ihr uns immer so stresst. Ich hatte ja keine Ahnung, dass mir das Gleiche auch noch bevor stand. Eine Woche später wurde ich ganz früh am Morgen geweckt, Travis und Sir Henry auch, wir wurden in die Transportbox verfrachtet und schon waren wir unterwegs. Ich fragte mich, was jetzt wieder auf uns zukam. Wir drei kamen zu einer Frau mit einem weissen Kittel, sie war sehr nett zu uns, was sie gemacht hat, weiss ich nicht mehr so genau, weil ich plötzlich schrecklich müde geworden bin und eingeschlafen bin. Als ich wieder aufwachte, sassen wir alle in einem kleinen Käfig und wir waren etwas ärgerlich, wir waren auch entmannt worden. So eine Frechheit! Aber eigentlich war ich viel zu müde um mich aufzuregen und so schlief ich einfach weiter. Am Nachmittag durften wir dann wieder nach Hause, unterdessen hatte ich mächtigen Hunger und habe mich erst mal vollgefressen. Danach bin ich gleich wieder schlafen gegangen. Ich habe mich mit Travis und meinem Bruder darüber unterhalten, was man da mit uns gemacht hat, sie fanden das auch nicht nett, aber dafür verstehen wir uns unterdessen gut mit den anderen Rudelmitgliedern, sogar mit Merlin komme ich jetzt problemlos aus. Wir lebten dann ein halbes Jahr in Frieden und alles war gut, bis ich bemerkte, dass es Limbo gar nicht gut ging, er bekam Probleme mit dem Atmen. Er tat mir leid, da ich ihn eigentlich von Anfang an mochte. Ich habe mitbekommen, wie unsere Ernährerin ihn eines Morgens aus dem Käfig nahm und zu ihm sagte, dass es wohl Zeit sei. Zeit wofür? Ich habe das nicht verstanden, aber er kam nicht wieder. Seine Brüder haben mir dann gesagt, dass er wohl auf die grosse Reise gegangen ist zu einem schönen Ort wo wir alle mal hinkommen. Ich war traurig, dass er nicht mehr da ist, aber ich werde ihn ja irgendwann wieder sehen. Nur zwei Wochen später ist auch Sunny auf die Reise gegangen, er war aber auch uralt: 2 Jahre und 10 Monate. Es vergingen wieder zwei oder drei Wochen und es kam ein neuer Mann zu uns: Murphy. Murphy war ein ganz lieber Ratterich, aber irgendwie nicht ganz gesund, er war immer so müde. Giacomo hat kurz etwas geborstelt aber wir haben ihn eigentlich alle fast sofort akzeptiert, er war so nett und freundlich, da konnten wir einfach nicht anders. Als unsere Ernährerin wieder mal den Käfig putzte, eine Woche nachdem Murphy zu uns gestossen war, legte er sich mit Skippy schlafen und als sie das Häuschen hochhob, weil sie da putzen wollte, machte sich Skippy davon, Murphy aber nicht... Er war einfach eingeschlafen und auf die Reise gegangen, ganz ohne Vorwarnung. Wir waren erschrocken, so schnell war er schon wieder weg. Unsere Ernährerin war auch sehr traurig darüber, sie hatte ihn auch sehr gemocht, wie wir alle, obwohl wir ihn nur so kurz gekannt haben. Einen Monat später war dann auch Jim's Zeit gekommen und in der selben Woche schlich sich auch Barry White davon. Als einen weiteren Monat später auch Milo auf die Reise ging und unser Rudel immer kleiner wurde, entschied sich unsere Ernährerin vier neue Jungs aufzunehmen. So kamen aus dem Tierheim Strubeli Michelangelo, Donatello, Raphael und Leonardo zu uns. Leonardo ist ein ganz pfiffiger Junge, Donatello ist auch nett und Michelangelo ist schon ziemlich alt, vermutlich über zwei Jahre, er zieht es vor allein in einem der Spuniks zu schlafen. Ab und zu kommt er runter um zu essen, wenn alle anderen wieder weg sind. Er mag keine Hektik. Aber Raphael! Da haben wir mal wieder einen furchtbaren Herrn dazu bekommen. Er hat am ersten Tag schon selber den Durchgang geöffnet von unten nach oben und ist gleich zu uns andern raufgekommen, obwohl er das eigentlich noch gar nicht durfte. Er hat sich auch gleich mit allen angelegt. Giacomo, Merlin und Flake haben fürchterlich ausgesehen, nach der Auseinandersetzung mit ihm. Auf mich ist er auch losgegangen, aber nicht ganz so schlimm. Nun ist es gekommen, wie es immer ist, wenn einer sich nicht benehmen kann, er wurde kastriert. Ich glaube, er wird jetzt langsam ruhiger. Hoffen wir's mal. |